Sommerfestspiele: Der Verein Theaterfest NÖ genießt absurde Privilegien

Sommerfestspiele: Der Verein Theaterfest NÖ genießt absurde Privilegien

Nach den Querelen um Alexander Pereira, den Intendanten der Salzburger Festspiele, herrscht nun in Punkto Sommerfestpiele auch in Niederösterreich Wirbel: Denn einem privaten Verein obliegt die Vermarktung aller Festivals im Bundesland.

Werner Auer ist ein viel beschäftigter Mann. Er ist nicht nur Intendant der Felsenbühne Staatz, er führt auch bei der diesjährigen Musical-Produktion "Die Schöne und das Biest“ selbst Regie - und spielt die Hauptrolle. Damit nicht genug: Auer ist zudem als Obmann des Vereins "Theaterfest Niederösterreich“ tätig. Dieser wurde von einigen Intendanten zum künstlerischen Austausch gegründet - entwickelte sich seither aber zu einer Art Dachverband, der vom Land Niederösterreich eine Förderung von 250.000 bis 280.000 Euro jährlich erhält. Damit übergab das Land dem Verein die Verantwortung, für die Vermarktung der Sommerfestspiele im gesamten Bundesland zu sorgen.

Doch um alle Festspiele will sich der Verein trotz seines satten Budgets nicht kümmern: Gefördert wird nur, wer zuerst vom Verein aufgenommen wurde. Und dafür sind Qualitätskriterien wie die Förderung und Empfehlung vom Land Niederösterreich und einiges mehr gefragt.

Doch auch wer den Anforderungskatalog erfüllt, hat heute kaum Chancen, aufgenommen zu werden. Auer erklärt: "Wir sind derzeit 21 Veranstalter; damit haben wir den Plafond erreicht. Wir würden unter Umständen noch ausgewählte Spielstätten aufnehmen, mehr ist jedoch nicht verwaltbar.“ Mit anderen Worten: Die Vereinsmitglieder bestehen auf ihr Stück vom Kuchen; müssen sie ihn mit mehr Initiativen teilen, bleibt ihnen weniger.

Doch diese Generalabsage möchten einige Intendanten nun nicht ohne Weiteres hinnehmen. Denn wer nicht im Boot der Auserwählten sitzt, läuft Gefahr, trotz einer hervorragenden Produktion und professioneller Pressearbeit von den Medien kaum beachtet zu werden. Ein PR-Verantwortlicher, der anonym bleiben will, berichtet profil: "Ich habe schon an mir selbst gezweifelt. Trotz intensiver Bemühungen bekam ich eine Reihe von Absagen.“

Erich Reiter, der nun schon im dritten Jahr das Festival Semmering auf die Beine stellt, bemühte sich ebenfalls um eine Aufnahme in den Verein, bekam aber eine Absage: "Mir wurde gesagt, dass es uns noch nicht lang genug gibt. Natürlich kann nicht jedes aus dem Boden gestampfte Festspiel sofort die größtmögliche Unterstützung fordern, das ist mir schon klar. Aber andererseits wurde mir bereits jetzt erklärt, dass wir kaum Chance auf eine Aufnahme hätten, da es schlicht schon zu viele Mitglieder gibt.“ Ähnlich erging es Stephan Gartner vom Klassikfestival Schloss Kirchstetten: "Wir haben hervorragende Kritiken und stehen in künstlerischen Belangen anderen Produktionen des Theatervereines in nichts nach.“

Doch das Boot ist eben bereits voll, und auch qualitativ schlechtere Veranstaltungen will Auer nicht durch bessere ersetzen: "Wir machen aber sehr wohl auf Schwachpunkte aufmerksam.“ Der Vereinsobmann bedauert die aktuelle Situation selbst, hält sie jedoch für einen "gordischen Knoten“. Und da ein solcher eben nur mit Gewalt gelöst werden könnte, lässt man ihn offenbar besser unberührt.

Künstlerisch wertvoll, aber ohne Unterstützung:

Teatro Barocco im Stift Altenburg 13., 14., 19., 20. und 21. Juli

Opernfestival Schloss Kirchstetten "Rigoletto“ 3. bis 17. August

Festival am Semmering Oper, Jazz etc. bis 1. Septembera