Sophie Karmasin: „Österreicher durchschauen Fekter“

Sophie Karmasin über das Festhalten der Finanzministerin am Bankgeheimnis und die Abwärtsspirale der FPÖ.

Interview: Franziska Dzugan

profil: Kommt der Kampf von Finanzministerin Fekter um das Bankgeheimnis bei den Österreichern gut an?
Karmasin: Auf lange Sicht sicher nicht. Die Menschen haben schnell gemerkt, dass sie wenig Chance hat, das Bankgeheimnis in seiner derzeitigen Form zu verteidigen. Aber sie hat damit ihren persönlichen Wahlkampf eingeleitet und setzt auf die EU-skeptischen Wähler.

profil: Zieht ihr burschikoser Ton, den sie regelmäßig anschlägt, noch?
Karmasin: Er nützt sich bereits ab. Hinter ihrem provokanten Stil stecken meist sehr simple Aussagen, welche die Menschen schnell durchschauen.

profil: Hat das beliebte Modell, Brüssel für Probleme in Österreich verantwortlich zu machen, ausgedient?
Karmasin: Das sicher nicht. Die EU-Skepsis ist durch die Krisen von Griechenland bis Zypern groß. Für österreichische Politiker ist die EU immer wieder ein willkommener Sündenbock.

profil: Faymann hat in der Kanzlerfrage deutlich verloren. Woran liegt das?
Karmasin: Er ist im Moment wenig präsent in den Medien, was sich sofort in den Umfragen niederschlägt. Das wird sich mit seiner nun startenden Bundesländertour ändern. Faymann kommt im TV gut rüber, deswegen ist Medienpräsenz für ihn besonders wichtig.

profil: Die FPÖ kommt nur noch auf 19 Prozent. Warum fängt sie sich nicht?
Karmasin: Die FPÖ erstarrt förmlich vor ihren Problemen. Strache ist so mit den innerparteilichen Konflikten beschäftigt, dass er sich in die tagespolitische Debatte überhaupt nicht einbringt. Das schadet der Partei sehr. Gerade die FPÖ-Wähler wollen eine Gewinnerpartei sehen, weil sie sich selbst oft als vom Leben benachteiligt wahrnehmen. Doch die FPÖ befindet sich in einer Abwärtsspirale, der erfolgreiche Magna-Gründer Frank Stronach ist da einfach attraktiver.