„SPÖ sollte Darabos bald austauschen“

Sophie Karmasin über die Folgen der Bundesheer-Volksbefragung und eine mögliche Nachfolgerin für den Verteidigungsminister.

Interview: Franziska Dzugan

profil: Trotz der Volksbefragung, die mit einem klaren Ja zur Wehrpflicht endete, ist die relative Mehrheit für einen Verbleib von Verteidigungsminister Norbert Darabos . Wie erklären Sie sich das?
Karmasin: Man muss es umgekehrt sehen. Dass 44 Prozent der Österreicher sagen, sie wollen Darabos’ Rücktritt, ist eine deutliche Niederlage. Viele Leute trauen ihm nicht zu, eine Heeresreform umzusetzen. Er sagte ja selbst, dass es für ihn schwierig werden wird.

profil: Wäre die SPÖ gut beraten, Darabos auszutauschen?
Karmasin: Im Moment noch nicht, da Faymann sich klar für ihn ausgesprochen hat. In zwei Monaten mit einem Überraschungskandidaten für die Nationalratswahlen aufzuwarten könnte der SPÖ aber Aufwind geben.

profil: An wen denken Sie da?
Karmasin: Zum Beispiel an Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller. Sie ist eine Ausnahmepolitikerin, die trotz des Finanzskandals in Salzburg Chancen bei den Nationalratswahlen hätte. Sie hat noch immer eine hohe Glaubwürdigkeit.

profil: Die Bundes-SPÖ verliert in der Sonntagsfrage nur einen Prozentpunkt. Hält sich der Schaden über die Niederlage bei der Wehrpflicht-Volksbefragung in Grenzen?
Karmasin: Die SPÖ hat mit ihrer Berufsheerdebatte viele junge Wähler gewonnen. Sie gleichen die Verluste durch ältere Wähler aus, die zur ÖVP gewechselt sind.

profil: Die Volksbefragung hat der ÖVP Schwung gegeben. Wird er Erwin Pröll für die Niederösterreich-Wahl im März helfen?
Karmasin: Die gewonnene Volksbefragung könnte Pröll tatsächlich wieder zu einer absoluten Mehrheit verhelfen.