Statements: „Die absolute, unwiderlegbare Wahrheit“

Von Nichtwählern, Faktenprüfern und seinem nächsten Filmprojekt: Regisseur und Autor Michael Moore im Originalton.

Über Wahlwerbung
„Wir müssen Bush abwählen, und der beste Weg, das zu tun, ist, für John Kerry zu stimmen. Ich bin übrigens nicht einmal Demokrat. Ich bin ein Unabhängiger. Ich bin ein Progressiver. Ich unterstütze grundsätzlich keine Präsidentschaftskandidaten.“

Über das Zielpublikum von „Fahrenheit 9/11“
„Seit Cannes höre ich Leute sagen: ,Er predigt doch ohnehin nur zu den Bekehrten.‘ Lassen Sie mich feststellen: Das ist keine schlechte Sache, denn die Bekehrten haben bisher geschlafen. Das ist die große Menge der Nichtwähler. Wer sind die, die nicht gewählt haben? Die Reichen? Die Elite? Nein, die gehen wählen. Es sind die arbeitenden Armen, die allein erziehenden Mütter, die Jungen. Sie sind diejenigen, die von politischen Fehlentscheidungen am schlimmsten getroffen werden. Also: Warum keinen Film machen, der diesen Leuten einen Grund gibt zu wählen?“

Über Humor
„Chaplin hat das ja bereits vor langer Zeit gewusst: In der Konfrontation des kleinen Tramps mit dem großen Boss ist Humor dringend nötig: Er erlaubt es, über Macht und Autorität zu lachen. Der Spott ist eine der wenigen Waffen der Arbeiterklasse.“

Über seine Recherchen
„Jede einzelne meiner Behauptungen in ,Fahrenheit 9/11‘ ist die absolute, unwiderlegbare Wahrheit. Dieser Film ist die wohl bestrecherchierte, die am genauesten geprüfte Dokumentation unserer Zeit. Nicht weniger als ein Dutzend Menschen, darunter drei Anwaltteams und der ehrwürdige Ex-Faktenprüfer des ,New Yorker‘, haben diesen Film durchkämmt; daher können wir Ihnen dies garantieren. Wer immer behauptet, irgendetwas in diesem Film sei nicht wahr, lügt. Die Meinungen darin sind natürlich meine, und selbstverständlich hat jedermann das Recht, mit diesen nicht übereinzustimmen. Und auch die Fragen, die ich – basierend auf unwiderlegbaren Tatsachen – darin aufwerfe, sind meine. Aber ich habe ein Recht darauf, sie zu stellen. Und ich werde sie so lange stellen, bis sie beantwortet sind.“

Über politische Eigenverantwortung
„Ich möchte nicht, dass die Leute glauben, ich sei der, der das Problem lösen könnte. Das kann ich nicht. Ich bitte vielmehr andere, das zu tun. Ich will, dass wir uns verbünden. Ich habe kein Interesse an Zuschauern, die einfach nur passiv dasitzen, mich beobachten und stellvertretend durch mich leben – so quasi: ,Ja, hol sie dir, Mike!‘ Sorry, aber ich werde das nicht für euch tun.“

Über das Projekt „Sicko“
„In meinem nächsten Film werde ich etwas völlig anderes als bisher machen. Die Energie und der Stil des Films werden an ,Lola rennt‘ erinnern. In einer meiner Fernsehshows hatte ich vor Jahren einen Typen als Gast, der drauf und dran war zu sterben, weil ihm keine Versicherung eine Transplantation bezahlen wollte. Also lud ich ihn ein und probte mit ihm in der Sendung sein Begräbnis. Wir retteten dem Mann das Leben. Die Behörden schämten sich und bezahlten schließlich doch für die Operation. Der Typ lebt heute noch. Und dann dachte ich: Wie wäre es, wenn wir einen Film planten, in dem wir versuchten, in neunzig Minuten so viele Leben zu retten wie nur möglich? Mit der Kamera als einziger Waffe? Die Lobbyisten und Politiker haben all das Geld, wir haben immerhin eine Kamera. Der Film wird Rock ’n’ Roll, das kann ich Ihnen versprechen. All jene, die noch nie gern gesehen haben, dass ich hinter den Leuten, die ein solches System verkörpern, her bin, werden diesen Film wirklich hassen.“

Quellen: Gavin Smith (Film Comment), Beverly Davis (profil), www.michaelmoore.com