<i><small>eatdrink von Klaus Kamolz</small></i>
Die Zwei

Duett von "Steirereck“-Veteranen im "Artner am Franziskanerplatz“.

Wir fassen zusammen: Handlungsstrang Nr. 1. Im Wiener Prater bemüht sich ein "Steirereck“-Veteran, auf dem misslungensten Platz der Europäischen Union einigermaßen anspruchsvolle Gastronomie zu bieten und ist damit erstaunlicherweise sogar erfolgreich. Herbert Schmid rattert mit dem Käsewagen durch den "Eisvogel“, den Leuten gefällt‘s, auf der Terrasse sitzen sogar ästhetisch hochempfindliche Menschen wie André Heller oder Wilhelm Holzbauer. Und irgendwann beginnt Schmid etwas zu spüren; man spürt, wenn man ins Out gerät, man spürt es, weil die nahe Verwandtschaft des Eigentümers von diesem komischen Trend infiziert ist, in der Hauptstadt eine Skihütte zu etablieren (siehe "Bergstation Tirol“, siehe "Martinjak“, wobei Letzteres eh schon wieder zurückgerudert ist). Naja, und dann erfährt man von einem Lieferanten, dass die Kündigung kurz bevorsteht. Ein Glück für Herbert Schmid, dass er zu diesem Zeitpunkt schon mit Markus Artner im Gespräch war.

Handlungsstrang Nr. 2. Die Winzerfamilie Artner aus Höflein, Markus Artner im Besonderen, gründete vor Jahren ein Restaurant auf dem Franziskanerplatz. Okay, den Anfangs-Hype gab es, aber dann wurde die Suche nach einem schlüssigen Konzept zur Schnitzeljagd. Mal kreativ, aber alles andere als stimmig und solid; dann kam der Josper-Grill, dieses Wunderding aus Barcelona, von dem mittlerweile in Österreich mehrere Gastronomen glauben, der macht eh alles von ganz allein. Nein, macht er nicht, den muss man schon lenken können. Jedenfalls fackelte der heiße BQ-Ferrari vor einiger Zeit die Küche ab - blöde Sache, aber auch Gelegenheit für einen weiteren Konzeptwechsel. Schmid also zu Artner. Als Restaurantchef.

Aber der kocht nicht, und deshalb wurde - Handlungsstrang Nr. 3 - Helmut Österreicher, ebenfalls "Steirereck“-Urgestein und vor Kurzem aus dem "Österreicher im MAK“ ausgestiegen, als Meta-Küchenchef engagiert (operativ kochen tut Markus Krenn). Back to the roots ist sein Zugang. Österreichische Küche, ergänzt durch den mittlerweile wieder funktionstüchtigen Josper-Grill (der muss die Investition in sich ja wieder hereinspielen).

Man kann jetzt über diese Stränge auch sagen, sie zeigen uns, dass die Welt der gehobenen Gastronomie in Wien eh eine Geschichte aus dem Dorf ist. Man kann aber auch sagen, dass es in den meisten Fällen schon immer noch die alten Haudegen sind, die das Geschäft am ehesten beherrschen.

Deshalb brummt es am Franziskanerplatz nach langer Zeit wieder einmal so richtig.

Was die Küche betrifft, sehe ich aber noch einige Luft nach oben. Zwar ist das Verlorene Ei mit Gemüse und Pimientocreme eine stimmige Veggie-Sache, aber ich mag das Ei trotzdem verloren und nicht in seiner Originalform pochiert - und vor allem mag ich es flüssiger. Man hätte es weniger aufräumen sollen als das Konzept für das Haus.

Zwiebelrostbraten? Tadellos; die fleischige Unterlage für die knusprigen Zwiebeln kommt ebenfalls aus dem Josper.

Frischlingsragout aus dem Lainzer Tiergarten? Hm, kein Vorwurf an die Küche, aber die Tierchen haben, finde ich, für ein hübsch mürbes Schmorgericht doch noch zu wenig angesetzt.

Bleibt nur noch der Josper-Test, diesmal ohne Rind, denn derzeit wird nämlich das dry aged pork durch das gastronomische Dorf getrieben: fantastische Fleischqualität, einzigartige, kokelfreie Raucharomen dank des geschlossenen Grillsystems, aber etwas weiter oben steht schon, dass man das Ding beherrschen muss. Und deshalb gehört auch das vielerorts durchgegarte Schwein weit früher vom Rost. Schade um das tolle, letztendlich bis auf einen kleinen weichen Kern zu trocken geratene Stück.

Dennoch: Stimmung gut, Weinauswahl ... auch gut, nur die Kalkulation halte ich - mit Ausnahme der hauseigenen Weine - für ziemlich deftig, auch im Vergleich zu anderen City-Restaurants. Man muss das Engagement zweier Profis aus dem besten Stall Österreichs nicht derart spürbar auf die Gäste abwälzen. Das machen eh schon die Banken.

Artner am Franziskanerplatz
Franziskanerplatz 5, 1010 Wien
Tel.: 01/503 50 34
www.artner.co.at
Sonntag geschlossen
Hauptgerichte: 17 bis 29 Euro

klaus.kamolz@profil.at