Strahlbad

Das letzte nie geführte Interview vor dem entscheidenden Wahlsonntag: Werner Faymann über Brünnerstraßler, linksliberale Studentinnen und britischen Sportsgeist.

profil: Herr Faymann, wenn man sich Ihre Biografie so ansieht, könnte man den Eindruck gewinnen, Sie seien schon als SPÖ-Berufsfunktionär geboren worden.
Faymann: Das stimmt natürlich nicht. Ich bin praktisch ein klassischer Quereinsteiger.

profil: Das ist mir aber neu.
Faymann: Doch. Ich war schon eineinhalb, als ich Vorsitzender der Roten Falkeneier geworden bin.

profil: Aber in der freien Wildbahn der Privatwirtschaft haben Sie sich nie bewegt.
Faymann: Doch. Vorher.

profil: Soll die Mehrwertsteuer für Falkeneier jetzt eigentlich auch gesenkt werden?
Faymann: Das muss ich noch mit meinem Experten besprechen.

profil: Mit Christoph Matznetter?
Faymann: Mit dem „Krone“-Ombudsmann.

profil: Gutes Stichwort. Ist Ihnen die Art, wie Sie die „Krone“ tagtäglich anpreist, eigentlich nicht schon selber peinlich?
Faymann: Sie meinen, dass ich dort wie eine Mischung aus Leopold Figl, Peter Alexander und Jesus Christus daherkomme?

profil: Ja.
Faymann: Warum sollte mir das peinlich sein?

profil: Nun ja. Vielleicht, weil wir nicht in Kuba sind?
Faymann: Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar. Gerade Sie werden doch wohl nicht die Pressefreiheit beschneiden wollen?

profil: Keinesfalls. Was lesen Sie denn in der „Krone“ sonst noch gerne?
Faymann: Das Horoskop stimmt immer, die Kochrezepte sind köstlich, das Kreuzworträtsel ist natürlich schwer, aber nicht unlösbar, und bei der täglichen Studentin von Seite sieben beeindruckt mich neben der nachgerade linksliberalen Einstellung zu ihrem eigenen Körper vor allem die subtile Textierung.

profil: Welche Koalition würde denn eigentlich Hans Dichand bevorzugen?
Faymann: Welche bevorzuge denn ich?

profil: Wieder eine große. Mit Pröll statt Molterer.
Faymann: Wenn Sie’s eh schon wissen, was fragen Sie mich dann?

profil: Was können Faymann und Pröll denn besser als Gusenbauer und Molterer?
Faymann: Ich für meinen Teil trinke am liebsten Brünnerstraßler aus dem Doppler, habe ein nachgerade erotisches Verhältnis zu Gewerkschaftern – allein schon die Art, wie der Willi Haberzettl seinen Kaffee umrührt, macht mich ganz wurlert –, und wenn mich jemand ansudert, schalte ich auf Autopilot und schaue mir mit meinem geistigen Auge die letzte Folge meiner Lieblingssendung „Willkommen Österreich“ noch einmal an.

profil: Sie sind ein Fan von Grissemann und Stermann?
Faymann: Nein. Von Engstler und Pirchner.

profil: Das nenn ich volksverbunden. Und welche Vorzüge hat Josef Pröll?
Faymann: Er ist es von zu Hause gewöhnt, nicht zurückzureden.

profil: Wenn Sie aber nur Zweiter werden sollten, dann bleibt uns Molterer ja erhalten. Machen Sie ihm dann den Junior?
Faymann: Was heißt denn hier Junior? Willi Molterer ist schließlich nicht mein Vater.

profil: Aber geh! Der auch nicht?
Faymann: Vizekanzler ist jedenfalls nicht der Posten, den ich anstrebe.

profil: Trostpreise strebt man generell eher selten an.
Faymann: Wenn das Hubert Gorbach liest, schreibt er Ihnen sicher einen Brief.

profil: Das macht nichts. Ich habe ein Wörterbuch. Wie ist denn eigentlich Ihr Englisch? Könnten Sie flüssig mit George Bush die aktuelle Finanzmarktkrise erörtern?
Faymann: Möglicherweise nicht. Aber wer wollte so was denn auch machen?

profil: Stimmt. Wobei – das könnte Ihnen ja vielleicht ohnehin Ihr zukünftiger Außenminister abnehmen. Die ÖVP behauptet ja, dass der Alfred Gusenbauer heißen könnte.
Faymann: Darüber habe ich mit dem Alfred noch nie geredet.

profil: Reden Sie überhaupt mit ihm?
Faymann: Wenn es keiner sieht – warum nicht?

profil: Gerüchteweise ist ja auch Ihre Gesprächsbasis mit Michael Häupl nicht die beste.
Faymann: So ein Blödsinn. Erst vor einer halben Stunde hat er mir ein SMS geschickt. Wollen Sie es lesen?

profil: Lassen Sie mal sehen … „Wir sprechen uns noch.“
Faymann: Sehen Sie?

profil: Klingt recht … einladend. Und immerhin ist ja Häupl auch bekennender Großkoalitionär. Wenn die SPÖ aber so dringend wieder mit der ÖVP zusammen regieren möchte, warum dann jetzt diese parlamentarische Mesalliance mit der FPÖ?
Faymann: Manchmal muss ein Mann eben tun, was ein Mann tun muss. Und außerdem kann man mir sicher nicht vorwerfen, einen unfairen Wahlkampf geführt zu haben. Ich sehe das Ganze sehr britisch-sportlich.

profil: Also im Sinn von: „Der Bessere soll gewinnen.“
Faymann: Das wiederum wäre mir ein bisschen zu unsicher.

profil: Wer soll denn dann gewinnen?
Faymann: Der Schönere.