Gasmasken statt Blauhelme

Syrien: Österreich vor Großeinsatz

Syrien. Österreich vor Großeinsatz

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Es ist ein einzigartiges Rettungsauto: Über zwölf Tonnen schwer, gegen panzerbrechende Munition ebenso geschützt wie gegen die Explosionswirkung von bis zu acht Kilogramm TNT – und mit einer eigens zur Versorgung von Chemiewaffenopfern konstruierten Intensivstation an Bord. Verletzte können damit aus einer verseuchten Umgebung evakuiert und gleichzeitig behandelt werden.

Nur drei dieser Fahrzeuge gibt es auf der Welt, und alle hierzulande: Radpanzer vom Typ Dingo, die das Bundesheer in Eigenregie adaptiert und umgebaut hat. Das ist auch der Grund, warum der vergangene Woche angekündigte Beitrag Österreichs zur Vernichtung des syrischen Chemiewaffenarsenals wohl deutlich größer ausfallen wird, als vorläufig bekanntgegeben. Bislang war die Rede von fünf Chemiewaffenexperten, ABC-Abwehrausbildnern, Stabspersonal sowie einer Hercules-Transportmaschine, die Österreich den UN und der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) bei Bedarf zur Verfügung stellt.
Bis Mitte November soll die OPCW einen konkreten Plan für die Vernichtung des Massenvernichtungsarsenals vorlegen, das vom Assad-Regime gehortet wird. „Wenn dieser Plan steht, werden wir die Letztentscheidung für den Einsatz unserer Experten treffen“, erklärte Verteidigungsminister Gerald Klug (SPÖ) vergangene Woche. „Das heute eingemeldete Paket ist die Grundlage dafür.“

In einem weiteren Schritt dürften auch zumindest zwei der drei C-Waffen-Ambulanzen angeboten werden – und zudem weitere, speziell zum Aufspüren chemischer Kampfstoffe ausgerüstete Dingos, von denen das Bundesheer immerhin zwölf Stück besitzt. Es ist kaum anzunehmen, dass UN und OPCW diese Offerte ausschlagen.

Auch wenn Österreich innerhalb eines multinationalen Verbandes tätig wird, bedingt das eine deutlich größere Truppe: Soldaten zur Sicherung der C-Waffen-Experten, Kommunikations- sowie Transporteinheiten. Um die 50 Mann sind realistisch für einen „solidarischen Beitrag zu dieser wichtigen UN-Mission“ (Außenminister Michael Spindelegger, ÖVP), der wohl auch als Wiedergutmachung für den überstürzten Abzug der österreichischen Blauhelme vom Golan betrachtet werden darf.