Top Secret

Bei einem Geheimtreffen im Frühjahr 2012 zeigten Bankmanager erstmals Skepsis gegenüber den Spekulationen des Landes Salzburg.

18. April 2012, zehn Uhr morgens: Die Mitglieder des so genannten Finanzbeirats, der die Veranlagungen des Landes Salzburg kontrollieren soll, treffen zu einer Vorbesprechung im Sitzungszimmer der Finanzabteilung zusammen. Man erwartet Besuch. Hochrangige Vertreter der Salzburger Landes-Hypothekenbank und deren Eigentümerin, der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, haben sich zu einer Sondersitzung des Gremiums angekündigt. Das Treffen ist streng vertraulich, alle Teilnehmer (darunter Hypo-Generaldirektor Reinhard Salhofer) unterzeichnen eine Geheimhaltungserklärung.

Dass man an der Salzach lieber klotzte als kleckerte, war in der Bankenwelt allgemein bekannt. Die Leiterin der Finanzabteilung, Monika R., wurde als VIP-Kundin hofiert. Doch bei diesem Treffen ist es anders. Der Finanzbeirat muss den Bankern vorab übermittelte, unangenehme Fragen beantworten. Zum Portfolio. Zu den Fremdwährungsgeschäften. Zu den Wertpapierbeständen. Zu den Risiken. Besonders intensiv wird nach den Fremdwährungsgeschäften gefragt: „Dienen sie der Aussteuerung des Darlehens- und Veranlagungsportfolios des Landes Salzburg?“ Weiters: „Sind die Fremdwährungseinlagen und -finanzierungen des Landes Salzburg Teil einer langfristigen Finanzierungs- bzw. Veranlagungsstrategie?“

Was die Banker da zu hören bekommen, dürfte sie nicht zufriedenstellen. Aus dem Sitzungprotokoll – im schönsten Banker-Diplomatensprech formuliert – wird deutlich: Die Vertreter von Hypo und RLB OÖ sehen Feuer am Dach und fordern „zusätzliche Margen“ und „neue Besicherungsanhänge“, nicht zuletzt wegen neuer, schärferer Eigenkapitalregeln. Übersetzt heißt das: Man sorgt sich um die Bonität und vertritt die Ansicht, dass das Ausfalls­risiko des Landes gestiegen ist, und will sich dagegen absichern.

Die Banker sind hochgradig nervös. Hypo und Land drehten über die Jahre gemeinsam ein großes Rad. Allein zwischen 2007 und 2008 wurden Derivatgeschäfte mit einem Nominale von über 250 Millionen Euro abgeschlossen. In dieser Zeit saß ÖVP-Chef Wilfried Haslauer im Aufsichtsrat der Bank. Spekulationsgeschäfte mit dem Land seien da aber niemals Thema gewesen, wird er nicht müde zu betonen. Hypo-Chef Salhofer widersprach bereits öffentlich: „Schon laut Statuten wird über alle großen Kunden im Aufsichtsrat berichtet.“