Umfrage: Bündnisfall

Das blau-orange Chaos hat paradoxe Folgen: Sowohl die SPÖ als auch Bundeskanzler Schüssel gehen gestärkt aus der Krise hervor. BZÖ und FPÖ müssen um ihre politische Zukunft bangen.

Angesichts der koalitionären Wirren der letzten Wochen wünscht sich der politikgeplagte Österreicher offensichtlich vor allem eines: Stabilität. In der neuesten profil-OGM-Umfrage geht daher mit Bundeskanzler Wolfgang Schüssel ausgerechnet ein Mann als Sieger aus dem blau-orangen Chaos hervor, dem man eine gewisse Mitverantwortung an der Regierungskrise wohl nicht absprechen kann.
32 Prozent der Bevölkerung würden dem ÖVP-Chef derzeit ihre Stimme geben, könnten sie den Kanzler direkt wählen. Seit Jänner hat Schüssel um neun Prozentpunkte zugelegt. Im Vertrauensindex klettert er unverhofft in die schwarzen Zahlen zurück, und selbst auf die Frage, ob Schüssel die Regierung im Griff habe, antwortet jeder Zweite mit Ja. „Grundsätzlich ist das für den Kanzler kein Erfolg, wenn ihm 47 Prozent die Kontrolle absprechen“, sagt Meinungsforscher Peter Hajek. „Aber in der jetzigen Situation ist es beinahe sensationell.“

Die ÖVP profitiert nicht von Schüssels Aufwind. Die SPÖ legt zwei Prozentpunkte zu und liegt nun sieben Prozentpunkte vor der Volkspartei. Eine gute Ausgangsbasis für allfällige Neuwahlen. „Gmahte Wiesn ist das aber noch keine“, warnt Peter Hajek die SPÖ vor vorschneller Euphorie.

Das Scheidungspaar FPÖ und BZÖ kämpft derweil ums politische Überleben. Mit drei Prozent würden Heinz Christian Straches Mannen derzeit am Einzug in den Nationalrat scheitern. Das besondere Bündnismitglied Jörg Haider müsste mit fünf Prozent ebenfalls bangen. Die FPÖ-Spaltung schlägt sich auch im Vertrauensindex nieder: Erstmals als BZÖ-Gründer dabei, setzt sich Haider gleich markant in Szene. Mit einem Minus von 69 Prozentpunkten allerdings am untersten Ende der Skala.

Alexander Dunst