„Unglaublich viele Neider“

Helmut Pechlaner über das Drama um Abu, die Schattenseiten der Popularität und seine zahlreichen Job-Angebote in der Politik – darunter das Amt als Umweltminister.

profil: Sie haben am Tag nach dem Unfall im Elefantengehege Ihren Rücktritt angeboten. War das als symbolische Geste gedacht oder war Ihnen ernst damit?
Pechlaner: Es wäre eine symbolische Geste gewesen, wenn ich es von mir aus lanciert hätte, um mich damit in Szene zu setzen. Aber ich bin bei der Pressekonferenz gefragt worden, ob ich bereit wäre, die Verantwortung zu übernehmen und die Konsequenzen zu ziehen. Ich habe geantwortet, immer schon die Verantwortung für alles übernommen zu haben, was im Zoo passiert ist. Und die Konsequenzen würde ich selbstverständlich ziehen, wenn der Eigentümer das will.
profil: Sie haben mehrfach erklärt, dass alle Sicherheitsbestimmungen eingehalten worden sind. Hätten Sie, mit dem Wissen von heute, nicht trotzdem einiges anders machen müssen?
Pechlaner: Ich wüsste nicht, was. Wir sind schon an die Planung sehr vorsichtig herangegangen, weil wir den alten Leitsatz „Für einen Bullen gibt es einen toten Pfleger“ natürlich kennen und gesagt haben: Bei uns nicht. Deshalb haben wir beim Bau des Geheges alle möglichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen und beim Aufbau des Teams auf höchste Qualität geachtet. Was Abu betrifft, haben wir gesehen, dass er ein sehr vifer und frühreifer Bursche ist. Deshalb wurde bei ihm drei, vier Jahre früher, als das sonst üblich ist, mit dem Training begonnen.
profil: Der Tierpfleger Laszlo Török behauptet, dass der Unfall vorhersehbar gewesen sei, weil Abu seit Monaten Probleme machte. Der österreichische Tierschutzverband hat diesbezüglich eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft geschickt. Stimmt es, dass Abu schon mehrfach seine Pfleger attackiert hat?
Pechlaner: Es hat ein paar Rempeleien gegeben, und das war ja eben der Grund, wieso wir früher mit dem Training begonnen haben. Aber dieser Unfall war in keiner Weise vorhersehbar. Es ist wirklich lustig, dass das ein Pfleger sagt, der jahrelang nicht mehr im Haus war. Für mich ist das ein Revanchefoul.
profil: Es gibt nur wenige Unternehmen, bei denen ein Arbeitsunfall zu einem so heftigen Medienecho führt. Ist das die Kehrseite Ihrer Popularität?
Pechlaner: Die öffentliche Aufmerksamkeit hat die Entwicklung des Zoos gefördert, und das war gut. Aber die Erfolgsgeschichte von Schönbrunn hat natürlich unglaublich viele Neider gebracht. Täglich wächst die Zahl der Leute, die sagen, jetzt muss der Pechlaner endlich einmal eins über die Rübe kriegen, weil das ist ja nicht zum Aushalten, wie gut es dem geht.
profil: Es geht Ihnen ja auch gut, oder? Manchmal gewinnt man den Eindruck, für die Ausbaupläne von Schönbrunn hat die Regierung immer Geld übrig.
Pechlaner: Stimmt ja nicht. Es sind uns auch viele Projekte abgelehnt worden. Ich hätte zum Beispiel so gern etwas bei den Giraffen gemacht, aber das ist halt einfach nicht möglich.
profil: Nach vielen Jahren, in denen es ständig bergauf ging, ist die Besucherzahl 2004 erstmals wieder deutlich gesunken. Verliert der Zoo an Attraktivität?
Pechlaner: Nein, bestimmt nicht, wir sind nur sehr wetterabhängig. 2003 war ein einsamer Rekord, der sich nicht so einfach wiederholen lässt. Wir haben die Pandas neu bekommen, und das Wetter war durchgehend schön. Ich hab immer gesagt, ich will, dass die Besucherzahl ungefähr der Einwohnerzahl von Wien entspricht. Und das haben wir erreicht.
profil: Sie waren schon für diverse politische Ämter im Gespräch, zuletzt als VP-Chef von Wien. Gab es konkrete Angebote, oder waren das nur Gerüchte?
Pechlaner: Konkret bin ich gefragt worden, ob ich Bürgermeister von Innsbruck werden will, Landesrat in Tirol, Stadtrat in Wien oder Umweltminister in der Bundesregierung.
profil: Und nichts davon war verlockend?
Pechlaner: Nein, das ist nicht mein Metier. Die Politik mit ihren unglaublichen Brutalitäten und Hinterhältigkeiten würde ich psychisch gar nicht aushalten.
profil: Die Angebote kamen vermutlich alle von der ÖVP.
Pechlaner: Was ich eben erwähnt habe, war alles von der ÖVP. Aber weil ich nie Mitglied bei einer Partei gewesen bin und auch nie bei einer Studentenverbindung, hat mir auch die SPÖ schon einmal angeboten, in einem Gemeinderat mitzuarbeiten.
profil: Manche Tierschützer kritisieren, dass Sie die Publicity-Möglichkeiten des Zoos etwas zu stark nützen. Zum Beispiel fand eine Giraffengeburt vor Publikum statt, Abus Taufe ist wie ein Staatsakt gefeiert worden, und die malende Orang-Utan-Dame Nonja wurde einst regelrecht auf Tournee geschickt ...
Pechlaner: ... und das habe ich abgestellt. Ich bin nur noch mit den Bildern herumgefahren, nicht mit der Nonja. Mein Credo ist: In einem Zoo ist alles erlaubt, was nicht auf Kosten der Tiere geht. Was glauben Sie, wie viele Briefe wir kriegen, in denen sich jemand wünscht, einmal einen Elefanten zu streicheln? So was machen wir nicht.
profil: Welcher Masterplan steckte dahinter, als Sie im Frühling 2000 die gesamte Bundesregierung zum Betriebsausflug in den Tiergarten eingeladen haben?
Pechlaner: Ich hab sie doch nicht eingeladen, um Gottes willen! Ich staune immer wieder, was man mir alles zutraut. Das Bundeskanzleramt hat angefragt, ob ein Zoobesuch möglich ist. Und natürlich sag ich dann Ja. Schließlich sind das die Eigentümer.