USA Vorwahlen: Q wie Quatsch

Welche Autos fährt Mitt Romneys Gattin Ann? Was findet Rick Santorum zum Kotzen? Wie super ist der dieswöchige Super Tuesday? Ein ABC zum Mitbuchstabieren der republikanischen Vorwahlen.

Ein ABC zum republikanischen Super Tuesday

America, the Beautiful
Mitt Romney sang bei einer Wahlkampfveranstaltung in Florida die inoffizielle US-Nationalhymne und begann dabei in den unteren Lagen recht vielversprechend, ehe er im Refrain ("America, America“) doch deutlich neben der Melodie landete. Nach Meinung seines Teams sind die Misstöne aber unbedeutend: Entscheidend sei der patriotische Gehalt des Songs.

Bergarbeiter

Ein taugliches Mittel, um den Wählern Nähe zu vermitteln, ist der Hinweis auf ärmliche Herkunft. Kandidat Rick Santorum bezeichnet sich als "Enkel eines Arbeiters im Kohlebergbau, der in einer Sozialwohnung in einer Stahlstadt im westlichen Pennsylvania aufwuchs“. So etwas rührt die Herzen. Laut Santorums Steuerbescheiden verdient er als Berater und Redner pro Jahr rund eine Million Dollar.

Cadillac

In Michigan, wo Ford, General Motors und Chrysler zu Hause sind, müssen Kandidaten Autos herzen wie anderswo Babys. Romney ging dabei eine Spur zu weit, als er der Menge zurief, seine Gattin Ann fahre "ein paar Cadillacs“ . Die nachgereichte Präzisierung, einer stehe zu Hause in Boston, der andere vor dem Sommerhaus in Kalifornien, half nicht mehr.

Dow Jones

In allen Exit Polls nennen Teilnehmer an den republikanischen Vorwahlen die Wirtschaft als wichtigstes Motiv für ihre Entscheidung. Im Match gegen Barack Obama jedoch kommen den Republikanern die Argumente ein wenig abhanden: Der Wall-Street-Index Dow Jones hat Anfang Februar ein Drei-Jahres-Hoch erreicht.

Evangelikale

Die Bedeutung der christlichen Fundamentalisten in der Republikanischen Partei steigt. Noch unterstützen sie mehrheitlich Rick Santorum. Wer auch immer am Ende gewinnt: Die Evangelikalen werden bei wichtigen Fragen mitreden: bei der Formulierung des Wahlprogramms und bei der Kür des Vizepräsidentschaftskandidaten etwa.

Ferner kandidieren
Newt Gingrich: zwei Scheidungen, eine außereheliche Beziehung und ein Image als polarisierendes Raubein. Ron Paul: Gegner militärischer Interventionen, ökonomischer Exzentriker ("Schafft die Notenbank ab“) und der einzige US-Politiker, der den Iran für "keine Bedrohung“ hält.

Griesgram

"Rick Santorums Problem ist nicht, dass er ein Konservativer in gesellschaftlichen Fragen ist, sondern dass er ein Miesepeter ist. Und Miesepeter werden nicht zu Präsidenten gewählt.“ (John Podhoretz, Kommentator der "New York Post“)

Homosexualität
Konsensualen Sex zwischen zwei Personen desselben Geschlechts zu erlauben sei gleichbedeutend mit der Freigabe von Bigamie, Polygamie, Inzest und Ehebruch. Sagt Rick Santorum.

Illegale Einwanderer
Es gibt keine eindeutige Position republikanischer Wähler zu der Frage, was mit Illegalen geschehen soll. Ein Drittel will sie deportieren lassen, ein Drittel will ihnen befristete Arbeitsgenehmigungen erteilen, und ein Drittel will ihnen eine Chance geben, die Staatsbürgerschaft zu erlangen. Die Befragung fand in Arizona statt.

Jesusisinvolvedinpolitics.com
Die 40 Millionen Christen in den USA könnten die Wahlen entscheiden. Darauf hofft Neil Mammen in seinem Buch "Jesus Is Involved In Politics“ - empfohlen von der Tea Party.

Kotzen
"Ich glaube an ein Amerika, in dem die Trennung zwischen Kirche und Staat eine absolute ist.“ Sagte John F. Kennedy 1960 in einer berühmt gewordenen Rede. Rick Santorum findet sie "zum Kotzen“.

Libyen

Der Name Herman Cain ist untrennbar mit der libyschen Revolution verbunden, denn auf die Frage, was er als US-Präsident gemacht hätte, konnte der viel zu früh aus dem Wahlkampf geschiedene republikanische Ex-Kandidat keinen zusammenhängenden Gedanken formulieren.

Momentum
Es kommt und geht von einem zum anderen. Von Jänner bis August 2011: Romney. Von August bis Oktober 2011: Rick Perry. Von November 2011 bis Jänner 2012: Newt Gingrich. Von Jänner bis Februar 2012: Romney. Im Februar 2012: Santorum. Derzeit: Romney. To be continued.

Norris, Chuck

Der üblicherweise mit Unbesiegbarkeit in Verbindung gebrachte Action-Schauspieler steht in politischen Fragen gern auf der Seite der Verlierer . 2004 unterstützte er Mike Huckabee, diesmal zunächst Ron Paul und nunmehr Newt Gingrich.

Obama, Barack

Ihn gilt es abzuwählen. Allerdings liegt der Amtsträger im Match gegen Romney in sechs von sieben Umfragen vorn (einmal Unentschieden). Gegen Santorum führt er in fünf von sechs Umfragen.

Palin, Sarah

Die Galionsfigur der Tea-Party-Bewegung beschloss nach "vielen Gebeten“, sich nicht um die Präsidentschaftskandidatur zu bewerben. Die Gebete der Late-Night-Comedians, Palin möge antreten, wurden folglich nicht erhört.

Quatsch

"Ich denke, die anderen Kandidaten sind nicht besonders relevant. Einer von ihnen wird wohl gewinnen, weil Geld eine wichtige Rolle spielt. Aber sie sind bloß derselbe alte Quatsch.“ (Newt Gingrich)

Rombo

Die Schlacht Romney versus Santorum kennt einen neuen Helden: "Rombo“ (eine Kombination aus Romney und Rambo) verfolgt Santorum mit einer Schusswaffe, die Dreck abfeuert. Er trifft nicht und kriegt am Ende selbst den Schlamm ab. Der TV-Werbe-Clip soll Romney als aggressiven Angreifer bloßstellen, der mit schmutzigen Mitteln kämpft. Negative-Negative-Campaigning, ein neuer Terminus der Politikwissenschaft.

Super

Die Super PACs (Political Action Committee) sind Unterstützungsgruppen, die anders als die einfachen PACs Geld von Unternehmen und Gewerkschaften annehmen dürfen, um Kandidaten ihrer Wahl zu unterstützen - und die anderen herunterzumachen. Super-Delegierte haben bei der Convention das Recht, für einen Kandidaten zu stimmen, ohne an das Ergebnis einer Vorwahl gebunden zu sein. Am Super Tuesday schließlich - am Dienstag dieser Woche - werden zehn Bundesstaaten ihre Entscheidung über den republikanischen Kandidaten treffen. Allerdings wird nach bisherigen Prognosen der Super Tuesday nicht wirklich super: Eine eindeutige Vorentscheidung ist diesmal eher unwahrscheinlich.

Tampa Bay

Der Ort des Republikanischen Parteitags, wo vom 27. bis 30. August mit großem Trara der Präsidentschaftskandidat und sein Vize nominiert werden.

Unzufriedenheit

44 Prozent der republikanischen Wähler sind der Meinung, das Feld der Kandidaten sei nicht zufriedenstellend.

Vize

"Was muss ich tun, damit man mir glaubt, dass ich nicht Präsidentschaftskandidat sein werde? Mich umbringen?“ Sagte Chris Christie, der populäre Gouverneur von New Jersey. Seitdem gilt er als Favorit für das Amt des Vizepräsidentschaftskandidaten.

Weibliche Kandidaten

Absolute Fehlanzeige, seit Michele Bachmann aus dem Rennen ist. Die Tea-Party-Kandidatin hinterließ immerhin die Weisheit, dass "Sozialismus keine gute Sache für Amerika“ sei.

X - Die Unbekannten

Sollte es am Ende ein totes Rennen ohne klaren Sieger geben und beide infrage kommenden Kandidaten so angeschlagen sein, dass der Ruf nach einem völlig neuen Gesicht laut wird, dann könnte theoretisch noch ein bislang nicht bekannter Name in den Ring steigen. Spekuliert wird in diesem Fall etwa mit Floridas Ex-Gouverneur Jeb Bush.

Yearbook

Das College-Jahrbuch ist ein Fixstern der US-Kultur. Newt Gingrich (1961) war der "Intellektuellste“ seines Jahrgangs; Ron Paul der "beste Allrounder“, Mitt Romney (1965) hatte nicht weniger als 15 Funktionen und Mitgliedschaften ("Church Cabinet“); Rick Santorum schließlich (1976) punktet retrospektiv mit kompromissloser Siebziger-Jahre-Frisur und -Brille.

Zügellosigkeit

Newt Gingrich verkörpere "jede negative Charaktereigenschaft, die Konservative mit den Exzessen der sechziger Jahre verbinden: Narzissmus, Selbstgerechtigkeit, Genusssucht und Zügellosigkeit“. Schreibt Kolumnist David Brooks in der "New York Times“.