Vertuschungsaktion in Causa Kampusch:
Konkreter Hinweis unter den Tisch gekehrt

Wie das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner Montag erscheinenden Ausgabe berichtet, hatte das Innenministerium unter VP-Ministerin Liese Prokop 2006 versucht, Ermittlungspannen im Fall Natascha Kampusch zu vertuschen.

Aus den Einvernahmeprotokollen hochrangiger Exekutivbeamter vor der Sonderkommission 2008 sowie aus internen Aktenvermerken und Mails geht hervor, dass sich die Ministerin und ihr Kabinett kurz vor den Wahlen "keinen Polizeiskandal" leisten wollten. Es ging um die Meldung eines polizeilichen Hundeführers, der 1998 sechs Wochen nach dem Verschwinden des Mädchens eine entscheidende Personen- und Charakterbeschreibung von Wolfgang Priklopil abgegeben hatte. Diesem Hinweis war nicht nachgegangen worden. Im August 2006, nachdem Kampusch die Flucht gelungen war, wurde der Hundeführer auf Anweisung ranghoher Beamter aufgesucht und gedrängt, mit niemandem über seine damalige Aussage zu reden.

Grün-Mandatar Peter Pilz verlangt nun strafrechtliche Bestimmungen, um parteipolitische Einflussnahme auf die Arbeit von Beamten und auf Postenbesetzungen zu ahnden.