In den Fängen des Geheimdienstes

VIG-Töchter in Rumänien beschäftigen ehemalige Securitate-Mitglieder.

Laut Berichten des „Falter“ und einiger rumänischer Medien soll Constantin Toma, der bis vor Kurzem noch in Amt und Würden stehende Generaldirektor der VIG-Tochter Omniasig, den Wiener Konzern um einige Millionen Euro geprellt haben. Mithilfe eines komplexen Firmengeflechts und überhöhter Rechnungen für Leistungen der von ihm oder Familienmitgliedern kontrollierten Unternehmen an die VIG-Töchter habe er in die eigene Tasche gewirtschaftet. Dass Toma vor der Wende Offizier des rumänischen Geheimdienstes Securitate war, gab der Angelegenheit noch ­einen besonderen Hautgout.

„Wir haben alle Vorwürfe gegen Toma geprüft: Die VIG ist durch ihn nicht zu Schaden gekommen“, sagt Geyer. „Wir können aber auch nicht ausschließen, dass er zu seinem Vorteil gehandelt hat“, lautet der Nachsatz. Als Rechtfertigung, dass man einen ehemaligen Securitate-Schergen beschäftige, heißt es, man habe mit dem Kauf der Omniasig Toma, der das Unternehmen seit 1989 aufgebaut hat, quasi mitgekauft. Zudem sei er lediglich in der Wirtschaftsabteilung der Securitate tätig gewesen und somit unverdächtig. Dass die Vorwürfe gegen Toma ausgerechnet jetzt auftauchen, sei im Zusammenhang mit seiner geplanten Bewerbung für einen hochrangigen Posten in der rumänischen Versicherungsaufsichtsbehörde zu sehen.

Toma ist jedoch nicht der einzige Securitate-Mann, der im Sold der VIG steht. Radu Tinu, Regionalleiter bei der Tochtergesellschaft Asirom, war bis zur Wende 1989 stellvertretender Securitate-Chef in Temeswar. Unmittelbar nach dem Sturz Ceausescus wurde er des Mordes angeklagt und verbrachte zwei Jahre in U-Haft. Das Verfahren endete mit einem Freispruch. 2009 fiel Tinu den internationalen Medien auf, als er die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller, prominentes Opfer von Securitate-Repressalien, in einem Interview als „psychotisch“ bezeichnete. Der Geheimdienst habe die Schriftstellerin immer „mit Handschuhen“ angefasst.

1990 wurde die Securitate aufgelöst. Man vermutet, dass die Nachfolgeorganisation SRI (Rumänischer Informationsdienst) etwa 40 Prozent des Personals übernahm. Viele andere machten im Zuge der Privatisierung Karrieren in Politik und Wirtschaft.