WAZ: Die interne „Anklageschrift“

Das vertrauliche Papier trägt den Titel „Liste der öffentlich nicht bekannten Pflichtverletzungen“. Auf neun Seiten listen die Rechtsvertreter des WAZ-Konzerns darin neue Punkte auf, die in den nächsten Wochen gegen „Krone“-Miteigentümer Hans Dichand ins Treffen geführt werden sollen:

  • Dichand, so das Papier, habe die Krone-Verlag GmbH im September 2002 mit einer Zahlung von einer Million Euro für eine „private Zahlungsverpflichtung“ belastet und diese erst nach ausdrücklicher Aufforderung im Jänner 2003 zurückerstattet.
  • Ebenso habe der Blattgründer seit Juni 2002 aus „Krone“-Mitteln Bezüge an Geschäftsführer Wolfgang Altermann bezahlt, obwohl dieser – wegen des Widerstands der WAZ – gar keinen aufrechten Dienstvertrag gehabt habe. (Altermann war zuvor auch einer der Geschäftsführer der Mediaprint, einer gemeinsamen Tochtergesellschaft von „Krone“ und „Kurier“). Diese Bezahlung sei, so das WAZ-Papier, unnötig gewesen, da Altermann nichts anderes mache, als er als Mediaprint-Geschäftsführer ohnehin gemacht habe. Überdies sei er „in Wahrheit vor allem für Hans Dichand selbst … tätig“.
  • Ins Journalistische geht ein anderer Vorhalt: Ein im Februar erschienener Leserbrief (in ihm wurde Finanzminister Karl-Heinz Grasser bejubelt) weise stilistische Ähnlichkeiten mit redaktionellen Beiträgen in der „Krone“ auf. Außerdem hätten Recherchen ergeben, dass es im Wiener Telefonbuch keinen Mann mit dem Namen des angeblichen Schreibers gebe. Einsicht in den Brief habe Dichand verweigert.
  • In der „Glücks-Krone“ sei im April 2003 redaktionell für die Organisation „Das Spiel“, eine Lotto-Spielgemeinschaft, geworben worden. An dieser Gesellschaft sind Chefredakteur Christoph Dichand und dessen Frau zu 35 Prozent beteiligt. Vorwurf der WAZ: Dichand jun. habe den zuständigen Redakteur angewiesen, den genannten Bericht zu verfassen. Das habe Hans Dichand bei der Gesellschafterversammlung am 14. Mai auch zugegeben, habe sich aber geweigert, Maßnahmen gegen seinen Sohn zu ergreifen.
    Neben diesen bisher unveröffentlichten Vorwürfen haben die WAZ-Vertreter ein zehnseitiges Papier über „Öffentlich bekannte Pflichtverletzungen Hans Dichands“ erstellt. Darin wird dem „Krone“-Gründer unter anderem vorgeworfen, er informiere die Leserschaft einseitig über den internen Konflikt der Eigentümer. Auch zu einer Mitarbeiterversammlung, bei der Dichand die Angestellten informierte, seien WAZ-Sprecher nicht eingeladen gewesen. Weiterer Vorhalt: Dichand habe in einen Leserbrief einen Angriff auf WAZ-Geschäftsführer Erich Schumann „hineinredigiert“.