Wegen Insidertrading im Visier der FMA:
Die Aktiendeals von Wolfgang Ruttenstorfer

Die privaten Aktiendeals des Wolfgang Ruttenstorfer: Der OMV-Chef steht wegen mutmaßlichen Insidertradings im Visier der Finanzmarktaufsicht. Zum zweiten Mal in nur eineinhalb Jahren.

Von Andrea Rexer

Gegen Ende dieses Jahres steht am Wiener Otto-Wagner-Platz Nummer 5 ein Mieterwechsel der besonderen Art an. Ausgerechnet dort, wo jetzt noch Wolfgang Ruttenstorfer hoch über den Dächern des neunten Wiener Gemeindebezirks residiert, zieht bald jene Behörde ein, welche den Leumund des OMV-Chefs dieser Tage auf die Probe stellt: die Finanzmarktaufsicht (FMA).

Die FMA ermittelt gegen Ruttenstorfer wegen Verdachts auf Insiderhandel und Marktmanipulation. Er soll einerseits Anleger durch öffentliche Statements in die Irre geführt und andererseits einen Informationsvorsprung ausgenutzt haben, um privat Geschäfte mit OMV-Aktien abzuwickeln. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Im Zentrum des behördlichen Interesses steht ein profil-Interview mit Wolfgang Ruttenstorfer, welches am 23. März veröffentlicht wurde (Nr. 13/09). Dabei ging es unter anderem auch um die damals noch bestehende Beteiligung der OMV am ungarischen Mitbewerber MOL. Ruttenstorfer im Wortlaut: „Wir haben derzeit nicht vor, sie zu verkaufen. Das gilt nicht für die Ewigkeit, aber heuer werden wir sie durchaus behalten.“ Nur eine Woche später war das MOL-Engagement Geschichte. Die OMV verkaufte die Papiere zur Gänze an das russische Energieunternehmen Surgutneftegas. Aus der zeitlichen Abfolge leitet die FMA den Verdacht der Irreführung (im Amtsdeutsch: Marktmanipulation) ab. Strafrahmen: bis zu 75.000 Euro.

Ungleich schwerer wiegt der Vorwurf des Insiderhandels: Am Tag des Erscheinens besagter profil-Ausgabe deckte Ruttenstorfer sich privat mit 26.500 OMV-Aktien zum Stückpreis von 23,41 Euro ein und legte dafür rund 620.000 Euro ab. Zwar meldete er dieses Geschäft gesetzeskonform an die FMA – trotzdem entschied die Aufsicht, Ermittlungen aufzunehmen. „Wenn eine Ad-hoc-Meldung in einer derartigen zeitlichen Nähe zu einer Transaktion des Vorstands steht, untersuchen wir diesen Vorgang schon routinemäßig“, sagt FMA-Sprecher Klaus Grubelnik.

Wiederholung. Die OMV hat bereits angekündigt, mit der Behörde zusammenzuarbeiten und betont, sich an alle geltenden Regeln gehalten zu haben. Doch wenn sich herausstellt, dass Ruttenstorfer mit den Aktien gehandelt hat, obwohl er bereits annehmen musste, dass das Geschäft mit Surgutneftegas mit großer Wahrscheinlichkeit zustande kommt, könnte die Justiz aktiv werden. Auf Missbrauch von Insiderinformationen steht eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren, egal, ob der Betreffende Gewinn oder Verlust gemacht hat. Dass Ruttenstorfer zumindest auf dem Papier einen Gewinn gemacht hat, ist für die Strafanzeige von nachgelagerter Bedeutung. Das Wesen eines Insiderhandels ist es, unveröffentlichte kursrele­vante Informationen zum eigenen Vorteil auszunutzen. Die Ankündigung, den MOL-Anteil zu verkaufen, war anscheinend kursrelevant: Nach der Ad-hoc-Meldung legte der Aktienkurs der OMV mehr als drei Prozent zu.

Delikat: Ruttenstorfer steht nicht zum ersten Mal im Visier der FMA. Bereits im November 2007 interessierte sich die Behörde für private Geschäfte des OMV-Chefs (profil Nr. 48/07). Schon damals ging es um die MOL. Ruttenstorfer hatte nur drei Wochen vor der Absichtserklärung für einen Zusammenschluss mit den Ungarn 42.000 Aktienoptionen ausgeübt. Die Untersuchungen wurden jedoch „ergebnislos eingestellt“, so Grubelnik.

Niederlage. Das MOL-Manöver dürfte Ruttenstorfer jedenfalls von politischer Seite kaum Pluspunkte eingebracht haben. „Die Europäische Kommission ist nicht begeistert, dass ausgerechnet ein russisches Unternehmen den MOL-Anteil gekauft hat und sich so direkten Zugang zum europäi­schen Markt und dem Pipelineprojekt Nabucco verschafft hat“, sagt SPÖ-Europaparlamentarier Hannes Swoboda. Auch auf dem politischen Parkett in Wien sorgte die Entscheidung für Verstimmung. Es verwundere, dass die OMV den Zusammenschluss unter anderem damit argumentiert habe, dass ein starkes europäisches Unternehmen weniger anfällig für Übernahmeversuche aus Russland sei, und nun die Anteile ausgerechnet dorthin verkauft habe, heißt es aus den Ministerien.

„Ich hätte sehr gerne glauben wollen, dass die OMV das ernst meint, habe aber leider gewusst, dass solche Aussagen nur Ablenkungsmanöver sind. Genauso wie heutzutage die Aussage Surguts, dass der Kauf einer Minderheitsbeteiligung zum zweifachen Marktpreis aus rein wirtschaftlichen Gründen erfolgt sei“, drückt MOL-Chef Zsolt Hernádi seine Befürchtungen über eine russische Einflussnahme aus. Gepunktet haben dürfte ­Ruttenstorfer mit dem Übernahme-Manöver auch wirtschaftlich nicht: Am 25. März beschloss der Aufsichtsrat, sein auslaufendes Vorstandsmandat nicht zu ver­längern.