Weiter Debatte um Wiesenthal Institut: „Rücktritte durch Befürchtungen motiviert“

Im Konflikt um das Wiener Wiesenthal Institut meldet sich nun der kommende Vorstandsvorsitzende via profil online zu Wort. Er folgt Anton Pelinka in dieser Funktion nach.

"Das Wiener Wiesenthal Institut (VWI) hat mit großem Bedauern, aber auch mit Überraschung vom Rücktritt von zwölf Mitgliedern seines wissenschaftlichen Beirats erfahren – mit Überraschung, weil das VWI keine Gelegenheit hatte, die durch das Ausscheiden von Anton Pelinka aus dem Vorstand gegebene neue Situation den Beiratsmitgliedern zu vermitteln und mit ihnen zu diskutieren.
Dies ist bedauerlich, weil die Rücktritte durch Befürchtungen motiviert sind, die einer Basis im Tatsächlichen entbehren. Diskussionspunkt der vergangenen Monate war der Abschluss des Leihvertrages betreffend das Archiv der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG). Hier hatte es Auffassungsunterschiede zwischen IKG und VWI gegeben, die es jedoch gelungen ist, vollständig zu bereinigen, sodass der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Archiv im ursprünglich vorgesehenen Umfang nunmehr nichts mehr entgegensteht.
Zweck des VWI ist den Statuten folgend die Forschung, Dokumentation und Vermittlung zu allen Fragen, die Antisemitismus, Rassismus und Holocaust einschließlich dessen Vorgeschichte und Folgen betreffen. Diesen Zweck in vollkommener wissenschaftlicher Unabhängigkeit umzusetzen, war Ziel nicht bloß des von Pelinka geleiteten Vereinsvorstands, sondern ist in ebensolcher Weise auch Ziel des neuen Vorstands, der im Übrigen zur Hälfte mit dem bisherigen Vorstand ident ist. Die personellen Veränderungen im VWI ändern nichts am bisher vom VWI eingeschlagenen Kurs, der untrennbar mit dem Namensgeber des Instituts, Simon Wiesenthal, verbunden ist.
Das VWI wird keine Bemühung unversucht lassen, jene Irritationen aus der Welt zu schaffen, welche die Vorkommnisse der vergangenen Wochen unglücklicherweise bei den Beiratsmitgliedern hervorgerufen haben, um auf diese Weise wieder in den Genuss ihrer äußerst wertvollen Unterstützung zu gelangen."

Georg Graf ist Nachfolger von Anton Pelinka als Vorstandsvorsitzender des Wiener Wiesenthal Instituts und Professor für Privatrecht an der Universität Salzburg