Wir sind EM!

Nur noch vier Wochen bis zur EURO. Teamchef Josef Hickersberger im nie geführten Exklusiv-Interview über dies – und auch das.

profil: Herr Hickersberger, wie lebt es sich eigentlich in einem Land von geschätzten fünf Millionen Teamchefs?
Hickersberger: Sind Sie am Ende auch einer davon?

profil: Aber nein. Obwohl, wenn Sie schon fragen: An Vastic und Maierhofer führt natürlich kein Weg vorbei. An Roman Kienast hingegen so ziemlich jeder.
Hickersberger: Was Sie nicht sagen! Nun, wissen Sie, ich sehe das so: Wir haben nicht den besten Teamchef, aber den richtigen.

profil: Mit diesem Satz über Ihre Spieler werden Sie sicherlich in die heimische Fußballgeschichte eingehen.
Hickersberger: Damit kann ich leben. Immer noch besser, als ich hätte gesagt: „Das war irreregulär!“

profil: Glauben Sie nicht, dass diese flapsige Aussage eher nicht so gut für das Selbstvertrauen der Mannschaft war?
Hickersberger: Wenn ich ständig nur auf das Selbstvertrauen meiner Mannschaft Rücksicht nehmen müsste, dürfte ich sie nie wieder eine zweite Halbzeit spielen lassen.

profil: Wie gehen Sie mit der Gefahr um, dass Sie nach der EM nicht nur der „Färöer-Pepi“ sein könnten, sondern auch jener Teamchef, der mit einem Veranstalterland bei sämtlichen Europameisterschaften am absolut schlechtesten abgeschnitten hat?
Hickersberger: Ich bedanke mich jetzt schon täglich beim Schneckerl Prohaska dafür, dass er mir zumindest das 0:9 gegen Spanien abgenommen hat.

profil: Umfragen zeigen, dass immer noch keine so rechte EM-Euphorie in Österreich aufkommen will. Und in Salzburg hat es eine Zeit lang so ausgesehen, als würde Public Viewing nur ohne Ton erlaubt werden, um die Anrainer nicht zu stören.
Hickersberger: Hervorragende Idee. Das sollte man dann aber auch auf Festspielübertragungen ausweiten.

profil: Andernorts wiederum scheint die Erwartungshaltung langsam doch zu steigen. Bundeskanzler Gusenbauer zum Beispiel prophezeit einen 3:2-Sieg gegen Deutschland.
Hickersberger: Da wird er schon Recht haben. War ja bei der Steuerreform 2009 auch so. Und Eurofighter haben wir ja schließlich auch keine bekommen.

profil: Heißt das jetzt, Sie glauben nicht, dass wir Deutschland schlagen können?
Hickersberger: Wenn wir fest drum beten – warum nicht?

profil: Ob das wirklich ein geeigneter Ansatz ist?
Hickersberger: In Amerika beten sie an den Tankstellen um billigeres Benzin und glauben auch, dass das was nützt.

profil: Und eine ÖFB-Delegation rund um Präsident Stickler war auch schon beim Papst.
Hickersberger: Daran sehen Sie, dass bei uns das gesamte Umfeld alles für den Erfolg tut – nur leider ist der Papst halt auch Deutscher. Nein, jetzt im Ernst: Natürlich können wir die Deutschen schlagen – aber es wird ja nach den Kantersiegen gegen Kroatien und Polen gar nicht mehr nötig sein.

profil: Sie klingen, als wollten Sie meinen Job machen.
Hickersberger: Sie auch.

profil: Ich werde mich hüten. Aber ich muss trotzdem sagen: Korkmaz im linken Mittelfeld! Der ist schnell und giftig.
Hickersberger: Interessant! Ich hatte ihn eher als zweiten Tormann auf meiner Liste.

profil: Sie werden jetzt zwar sicher nicht die Aufstellung für das erste EM-Spiel gegen Kroatien verraten – aber haben Sie die taktische Ausrichtung schon im Kopf?
Hickersberger: Ja. Diesbezüglich halte ich mich ganz an die Maxime meines Vorgängers.

profil: Inwiefern? 4-4-2? 3-5-2?
Hickersberger: Weder noch: flach spielen, hoch gewinnen.

profil: Ihr Vorgänger ist ja arbeitslos, seit Sie ihn abgelöst haben. Fürchten Sie, Ihnen könnte dasselbe Los drohen?
Hickersberger: Dann werd ich eben Testesser bei McDonald’s.

profil: Nehmen wir einmal das andere Extrem an, und Sie können sich nach der EM irgendeinen Trainerjob auf der Welt aussuchen. Welcher wäre das?
Hickersberger: Kommt drauf an. In zehn Jahren jedenfalls einmal beim FC Magna – aber nur mit einem langfris­tigen Vertrag.

profil: Weil das dann ein europäischer Großklub ist?
Hickersberger: Nein. Weil ich dann 70 bin, der Stronach mich nach der zweiten Niederlage rausschmeißt und ich dann mit mehr Geld, als ich jemals ausgeben kann, mit meinem Hund spazieren gehe.

profil: Und vorher? Manchester United? Barcelona? Milan?
Hickersberger: Nur, wenn nicht doch noch Stixneusiedl anruft.

profil: Letzte Frage: Wer wird Euro­pameister?
Hickersberger: Vor meinem geistigen Auge sehe ich immer öfter Ivanschitz zum alles entscheidenden Schuss im Elferschießen gegen die Schweiz anlaufen.

profil: Und dann?
Hickersberger: Dann wache ich immer auf und gehe kalt duschen.