www.romeo.tarantello.at

Um nicht der Irreführung beschuldigt zu werden, richte ich diese Homepage unter meinem wahren Namen ein.

Da ich mir habe sagen lassen, dass jeder Mensch, der etwas auf sich, seine Gedanken nicht unter allen Umständen für sich be- und seine Hand offen hält, heutzutage eine Homepage besitzt, lege ich mir eine zu.

Zugleich lege ich damit vieles erstmals offen; meinen wirklichen Namen, meine Herkunft, meinen tatsächlichen Lebenslauf, meine bisherigen Tätigkeiten, meine Beziehungen und meine Betrachtungen.

Es handelt sich im Folgenden also um ein Dossier über eine recht unterflächliche Person, von der Sie bis jetzt sozusagen nur die Witze des Eisbergs kennen. Geboren wurde ich irgendwann, erblickte aber nicht das Licht der Welt, denn ich lag in einer finsteren tibetanischen Tropfsteinhöhle, als mich der sizilianische Tourist Vito Corleone fand. Anhand eines Zettels an meinem Hals („Vater Tarantello tot. Bitte um Hilfe. Sophia L.“) identifizierte er mich. Ich wuchs in Syrakus auf. Wir haben nicht alles gehabt. Wir hatten einen großen Hund. Den habe ich besonders gern gehabt. Dann hatten wir einen kleinen Hund. Den hab ich besonders gern gehabt. Einmal bekam ich Filzläuse. Die hab ich auch besonders gern gehabt.

Nach der Volksschule kam ich zu (von der sizilianischen Polizei) entfernten Verwandten nach Wien, also über die Berge, daher mein Deckname. Schon während der Mittelschule beschäftigte ich mich mit Geheimwissenschaften: Ich konnte Schweden Wasser als Wein verkaufen, das Gold der Zieheltern versilbern, ich sprach mit Verstorbenen (am liebsten mit Cleopatra und Billy the Kid), die Buben nannten mich „Professor“, die Mädchen „Onkel Doktor“.

Nach der Matura, die mir dank meines zweiten Gesichts keine Mühe bereitete, verlangten mich verschieden situierte Herren in meinem Stamm-Café „Rattenloch“ zu sprechen; einer war von einer Bank, einer schlief auf einer Bank, einer war von einer Kammer, ein anderer war Kammerjäger, die übrigen gehörten Geheimdiensten an, die mich undercover engagieren wollten. Bald schon ermittelte ich für den KGB, die CIA, den DTV und die WHO. Meine Vielseitigkeit können Sie den beiden Bildern entnehmen (die Verkleidung als Elch wurde leider zu einem Firmenlogo) und meinen Prinzipien: Ich war finanzpolitisch immer aufgeschlossen, stets bereit, das Vaterland an jeder Stelle zu unterstützen, an die mich das jeweilige stellte. Ich beschäftigte die gewissenhaften Informanten Argus, Luchs und Haftelmacher, ließ wesentliche Amtsträger korrumpieren und unwesentliche exilieren, übte täglich zwei Stunden Treuherzigkeit und drei Stunden Lächeln, lernte Kampftrinken und Körpersprache.

Meine Auftraggeber empfahlen mir den Tarnberuf Journalist. Ich empfand diese hohle Beschäftigung, die dreisten Lügen pressegeiler Troglodyten wiederzugeben, lästig und schrieb kurzerhand oft die mir von meiner inneren Stimme diktierte Wahrheit, was mir etliche Presseprozesse einbrachte, die ich aber – obgleich meine Berichte wahrhaftig nur vom Hörensagen stammten – alle gewann bis auf einen; ich hatte eine entgeltliche Bettlägerige ein „überreifes Gürteltier“ genannt und verlor gegen den Tierschutzverband.
Meine prophetischen Veröffentlichungen (ich beschrieb den Einsturz der Wiener Reichsbrücke schon am Vortag) verlockten renommierte Menschen dazu, mich als Berater zu konsultieren. Zu meiner Klientel zählten bald Henry Kissinger („Richten Sie kein Feuer aufs Öl!“), Bruno Kreisky („Sagen Sie als Agnostiker nicht immer: ich glaube; sagen Sie: ich bin der Meinung“), Prinz Charles („Trinken Sie keinen Kamillentee“), Giorgio Armani („Geben Sie den Yuppies Jeans“), die Familie Rothschild („Was Sie brauchten, ist eine gesamteuropäische Währung“), Hermann Maier („Sie wollen was werden? Schau’n S’, dass abfahrn!“), Castros zweiter Doppelgänger („Zungenkrebs durch Zigarren? Haarausfall? Nennen Sie sich Savalas!“), Angela Merkel („Sagen Sie die Parolen von Heino mit der Stimme der Schreinemakers“), Julia Roberts („Busen hat jede. Lassen Sie Ihre Augen vergrößern“), Silvio Berlusconi („Kaufen Sie nicht die Richter, sondern das Recht“), Monika Lindner („Nehmen Sie eine langbeinige Peinlichkeit und lassen Sie die moderieren, was unbedarfte Youngsters ins Mikro keuchen“). Zu meinem weiteren Bekanntenkreis zählen Hartgesottene wie Randa und Chirac, Absteiger wie Arafat und Gusenbauer, das Urviech Hias und Dichands Hund.

Ich stehe positiven Veränderungen des Individuums wie der Gesellschaft ausgesprochen aufgeschlossen gegenüber, kenne weder parteiliche noch konventionelle oder konfessionelle Eingrenzungen, bin davon überzeugt, dass jeder Mensch dazu geschaffen wurde, sich selbst nach besten Kräften zu verwirklichen, und der Gemeinschaft einen angemessen zu honorierenden Dienst erweist, wenn er ihr für sie überschaubare Ziele vorgibt.

Ich bin bereit, ohne jedwedes Tabu über alles zu sprechen und ohne kleinkarierte Abstriche nutzoptimierend zu handeln. Meinen beiden Töchtern zum Trotz würde ich allenfalls sogar mein Geschlecht annullieren lassen.