Die Mahrer-Connection
Mahrer hat damals nicht nur Fritsch, sondern gleich mehreren involvierten Personen eine entsprechende Vollmacht eingeräumt – möglicherweise aus Gründen der Praktikabilität. Letztlich sollte jedoch Fritsch die Ehre zuteilwerden, seine Unterschrift für den Kammer-Boss auf den Gründungsbeschluss zu setzen. Mittlerweile musste Mahrer seinen Sessel bei WKO und OeNB bekanntlich räumen. Bei GROPYUS sitzt er jedoch nach wie vor im Aufsichtsrat.
GROPYUS hat sich kein geringeres Ziel gesetzt, als – mit modernen Methoden – die Bauwirtschaft zu revolutionieren. Im Kern geht es dabei um digitale Planung und industrielle Serienfertigung. Den Darstellungen der liechtensteinischen Staatsanwaltschaft zufolge soll Fritsch insbesondere für den Immobilien-Teil des kühnen Vorhabens zuständig gewesen sein – Mahrer wiederum hätte seine allgemeine Wirtschaftserfahrung einbringen sollen und sei auf Empfehlung von Fritsch auch als Netzwerker beigezogen worden.
Rolex für 120.000 Euro
Bezüglich Fritsch sollen mit der Zeit allerdings Zweifel aufgekommen sein, was dessen fachliche Kompetenz als Immobilienentwickler anbelangte. Das ursprünglich gute Verhältnis zu Fuhrmann sei – so lässt es sich aus der Anklageschrift ableiten – abgekühlt. Im Frühjahr 2021 soll es zu mehreren Krisentreffen zwischen Fuhrmann und Fritsch gekommen sein, wobei jedoch offenbar auch ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk von Fritsch an den „Delivery Hero“-Gründer in Form einer Rolex-Uhr im Wert von rund 120.000 Euro die angespannte Situation nicht zu bereinigen vermochte. Ende August 2021 sei Fritsch dann als Aufsichtsratschef der GROPYUS abberufen worden.
Doch darauf folgte – so zumindest die Sicht der Staatsanwaltschaft – für Fuhrmann eine negative Überraschung. Fritsch habe Fuhrmanns Beteiligungsfirma, über die dieser Aktien an GROPYUS hielt, per Anwaltsbrief zur Zahlung einer Konventionalstrafe von einer Million Schweizer Franken aufgefordert, heißt es in der Anklageschrift. Dies auf Basis eines sogenannten Aktionärsbindungsvertrags zwischen Fritsch und mehreren seiner Gesellschaften sowie der Fuhrmann-Firma.
Mutmaßlicher Geheimvertrag
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Fuhrmann von diesem Vertrag überhaupt nichts wusste. Dieser sei durch einen Geschäftsführer der Fuhrmann-Firma geschlossen worden, der gleichzeitig ein Vertrauter von Fritsch gewesen sein soll. Der Vertrag sei hinter Fuhrmanns Rücken zustande gekommen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Geschäftsführer Untreue vor, Fritsch wiederum soll ihn dazu angestiftet haben.
Der mutmaßliche Geheimvertrag regelte jedoch nicht nur die erwähnte Millionen-Strafe, sondern führte auch zur Verpfändung des von der Fuhrmann-Firma gehaltenen Pakets an GROPYUS-Aktien an ein Fritsch-Unternehmen. Es ging dabei um rund 45.000 Stück Aktien zum Wert von jeweils mindestens 2.400 Euro, was insgesamt zumindest 108 Millionen Euro ergibt, wie die Staatsanwaltschaft vorrechnet. Dies soll zur Absicherung von Fritsch beziehungsweise einer seiner Firmen erfolgt sein. Dafür hätte gemäß Anklage der Geschäftsführer der Fuhrmann-Firma jedoch eine entsprechende Prämie verlangen müssen. Dies sei – zum Nachteil der Fuhrmann-Firma und einer weiteren Gesellschaft, für welche die Fuhrmann-Firma treuhändig Aktien gehalten hatte – jedoch nicht erfolgt. Daran macht die Staatsanwaltschaft den von ihr unterstellten strafrechtlichen Schaden in der Causa fest. Wie hoch dieser genau sein soll, wird nicht beziffert. Die Anklagebehörde geht davon aus, dass sich marktgerechte Konditionen für eine derartige Prämie jedenfalls innerhalb einer Bandbreite von 5 bis 7 Prozent pro Jahr bewegen würden.
Alle Vorwürfe bestritten
Alle Betroffenen haben sämtliche Vorwürfe immer bestritten. Wie aus der Anklageschrift hervorgeht, behaupten Fritsch und der Geschäftsführer der Fuhrmann-Firma zusammengefasst, dass Fuhrmann dem umstrittenen Vertrag explizit zugestimmt habe. Eine Anfrage von profil an einen Fritsch-Anwalt blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.
Ein Rechtsvertreter von Markus Fuhrmann wiederum teilte auf Anfrage mit, dass es aus Sicht Fuhrmanns bzw. seiner Firma „erfreulich“ sei, dass „nach über vier Jahren Ermittlungstätigkeit“ nun „eine erste Teilanklage“ vorliege. Die Angelegenheit habe gravierende Auswirkungen auf die Fuhrmann-Firma gehabt, die bis heute andauern würden.
GROPYUS ließ auf profil-Anfrage wissen, in das „in Liechtenstein geführte Anklageverfahren nicht involviert“ zu sein und die Anklageerhebung daher nicht kommentieren zu können. Fritsch sei im Herbst 2021 aus dem Aufsichtsrat ausgeschieden und übe seither keine Funktion mehr im Unternehmen aus. Aufgrund „von Hinweisen zu einem möglichen betrügerischen Verhalten“ habe GROPYUS im Jahr 2021 eine interne Untersuchung „zu falschen Kostenabrechnungen zum Nachteil von GROPYUS“ veranlasst. Auf Grundlage der dabei gewonnenen Erkenntnisse sei im Juni 2022 bei der Staatsanwaltschaft Wien eine Strafanzeige gegen Fritsch und Personen aus dessen Umfeld eingebracht worden. Das Verfahren sei im Frühjahr 2025 von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft übernommen worden und weiterhin anhängig.
Fritsch hat auch diese Vorwürfe immer zurückgewiesen.