René Benko blickt zur Seite.
Bild anzeigen
Wählen Sie profil als bevorzugte Google-Quelle

Ringe, Möbel und Millionen: Neues von der Benko-Pleite

Exklusiv: Der Insolvenzverwalter von Signa-Gründer René Benko streitet mit Familienmitgliedern um Ringe und Unterhaltszahlungen, mit einer Stiftung um Goldbarren – und mit einem anderen Konkursabwickler um teuren Hausrat. Insgesamt geht es um Millionen.

Drucken

Schriftgröße

Hören Sie sich diesen Artikel an

Neues aus dem wohl buntesten Konkursverfahren der Republik – jenem um Signa-Gründer René Benko: Dessen Insolvenzverwalter kämpft bekanntlich an vielen Fronten darum, Geld für die Gläubiger des gefallenen Immobilien-Tycoons und pleitegegangenen Einzelunternehmers hereinzubringen. profil-Informationen zufolge standen dabei zuletzt auch mehrere Ringe im Fokus – teils höchst wertvolle Damenringe, wohlgemerkt. 

Bei einer Hausdurchsuchung im Jahr 2025 wurden in einem Tresor bei Verwandten von Benkos Ehefrau Nathalie sieben Ringe gefunden. Im Unterschied zu – ebenfalls im Safe entdeckten Luxusuhren – wurden die Damenringe von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) offenbar nicht als strafrechtlich relevant eingestuft. Mittlerweile hat die WKStA die Schmuckstücke beim Bezirksgericht Innere Stadt Wien hinterlegt. Und nun stellt sich die Frage, wer sie abholen darf.

Der Fund ist Millionen Euro schwer. Eines dieser Kleinode, ein mit Diamanten besetzter Platinring, soll mehr als zwei Millionen Euro wert sein, ein anderer Ring gut 200.000 Euro. profil-Informationen zufolge hat jedoch nicht nur Nathalie Benko die Ausfolgung beantragt – sondern Mitte Mai auch René Benkos Insolvenzverwalter Grabenweger. Man wird sehen, wer dieses Millionen-Match gewinnt. 

Karges Konto

Dem bis dato eher kargen Massekonto würden die Ringe wohl guttun: profil-Informationen zufolge lagen dort Mitte März rund 500.000 Euro. Dieses Geld konnte der Insolvenzverwalter nach Abzug diverser Gebühren, Gerichts- und Rechtskosten für die Gläubiger bisher einsammeln. Gemessen an den anerkannten Forderungen von 50 Millionen Euro ist das ein Tropfen auf den heißen Stein.

Wer die Ringe bekommt – die Gläubiger oder die Ehefrau –, entscheidet am Ende wohl ein Gericht, wie so oft in der Signa-Causa. In Innsbruck wurde Nathalie Benko vor kurzem – erstinstanzlich und nicht rechtskräftig – zur Rückführung von zwei Millionen Euro verdonnert, die sie Anfang 2023 von ihrem Ehemann erhalten hatte. Das Gericht glaubte den Benkos nicht, dass es sich dabei um eine Unterhaltungszahlung gehandelt habe, sondern sah darin lediglich eine „unentgeltliche Verfügung“, quasi ein Geschenk. Ein 150.000-Euro-Pferd – beziehungsweise Geldmittel in dieser Höhe – durfte Nathalie hingegen behalten. Über beide Teil-Aspekte wird aber wohl erst in höherer Instanz final geurteilt werden.

Sogenannte Anfechtungsklagen gibt es auch noch in Zusammenhang mit einer 300.000-Euro-Überweisung von Benko an dessen Mutter. Darüber hinaus will Masseverwalter Grabenweger rund 135.000 Euro retour, die Benko in Zusammenhang mit dem familiären Fuhrpark bezahlt haben soll. Forderungen von rund 120.000 Euro beziehen auf angebliche Aufenthalte und Konsumationen im noblen „Chalet N“ in Lech am Arlberg. In beiden Fällen soll ein Sachverständiger bestätigt haben, dass Benko zum einschlägigen Zeitpunkt bereits zahlungsunfähig gewesen sei. 

Unterhaltsleistungen des Signa-Gründers hat Grabenweger ebenfalls noch im Auge: Er forderte von einem Familienmitglied einen Teilbetrag von rund 110.000 Euro wegen des Übersteigens der sogenannten Luxusgrenze zurück. Das Landesgericht Innsbruck sprach dem Insolvenzverwalter nicht ganz 95.000 Euro davon zu – die betroffene Person hat aber dagegen berufen. Die Entscheidung ist somit nicht rechtskräftig.

Masseverwalter gegen Masseverwalter

Eine ganz spezieller Streit bahnt sich in Bezug auf ganz spezielle Gegenstände an. Die Millionen-Frage ist: Wem gehören die Möbel in der sogenannten „Villa N“ – dem ehemaligen Luxuswohnsitz der Benkos südlich von Innsbruck. Hier kommt es nun zum Match Insolvenzverwalter gegen Insolvenzverwalter. Die „Villa N“ gehört nämlich zur „Laura Privatstiftung“, in der wesentliche Teile des Familienvermögens Benkos gebündelt sind.  Nach einem schicksalhaften Schiedsurteil musste die Stiftung kürzlich Insolvenz anmelden. Ihr verbliebenes Vermögen wird nach Abu Dhabi fließen, um den emiratischen Staatsfonds Mubadala zu befriedigen, der bei Signa um hunderte Millionen Euro umgefallen ist.

Jetzt streiten also Benkos persönlicher Masseverwalter und der Insolvenzverwalter der Laura-Stiftung darüber, wem Couch, Küche und Co. gehören und wessen Gläubiger die Erlöse daraus bekommen sollen. Auch dabei geht es wohl um Millionen: Die WKStA ermittelt gegen Benko – eben genau in Zusammenhang mit seiner Insolvenz als Einzelunternehmer – auch wegen des Verdachts, er habe sein Eigentum an den Einrichtungsgegenständen der „Villa N“ verheimlicht. Diese sollen demnach acht Millionen Euro wert sein. Benko hat sämtliche Vorwürfe immer bestritten.

Die Hoffnung auf das ganz große Geld steckt für Insolvenzverwalter Grabenweger aber in Liechtenstein, genauer: in der „INGBE Stiftung“, deren Begünstigte Benkos Mutter Ingeborg ist. Dort liegen noch etliche Millionen in Goldbarren, Euro, Schweizer Franken und US-Dollar. In Kürze beginnt im Fürstentum ein Verfahren, das sich im Kern um die Frage dreht, ob die INGBE 50 Millionen Euro zugunsten von Benkos Gläubigern zahlen muss oder nicht.

Der Prozess beginnt für Grabenweger allerdings unter schwierigen Vorzeichen: Das Oberlandesgericht in Liechtenstein hob eine einstweilige Verfügung auf, mit der 50 Millionen Franken eingefroren worden waren. Die Stiftung darf wieder über ihr Vermögen verfügen. Laut Gericht hätte nämlich nicht der Masseverwalter, sondern ein Gläubiger das Einfrieren des Vermögens einklagen müssen. Man wird sehen, wer dieses – wahrscheinlich spannendste Millionen-Match im Benko-Umfeld – am Ende gewinnt. 

Marina Delcheva

Marina Delcheva

leitet das Wirtschafts-Ressort. Davor war sie bei der „Wiener Zeitung“.

Stefan Melichar

Stefan Melichar

ist Chefreporter bei profil. Der Investigativ- und Wirtschaftsjournalist ist Mitglied beim International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ). 2022 wurde er mit dem Prälat-Leopold-Ungar-Journalist*innenpreis ausgezeichnet.

Anna Thalhammer

Anna Thalhammer

ist seit März 2023 Chefredakteurin des profil und seit 2025 auch Herausgeberin des Magazins. Davor war sie Chefreporterin bei der Tageszeitung „Die Presse“.