Restitution

Als der Raub von Büchern und Bibliotheken verbrecherischer Alltag war

Was 17 in der NS-Zeit geraubte Bücher, die kürzlich an die Bibliothek der Wiener Arbeiterkammer restituiert wurden, über unseren Umgang mit der Vergangenheit erzählen.

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Die Kostbarkeiten schiebt Ute Wödl auf einem Rollwagen heran, in säurefreien, hellgrauen Schachteln sind sie verwahrt. Für Wödl, die Bibliotheksleiterin der Wiener Arbeiterkammer (AK), die ihre Arbeitstage umringt von Bücherwänden zubringt, dreht sich an diesem Dezembernachmittag alles um die 17 Bände in den Kartonschachteln.

Ende November restituierte die deutsche Friedrich-Ebert-Stiftung diese 17 in der Nazi-Zeit geplünderten Bücher aus ihren Beständen an die Sammlung in der Wiener Prinz-Eugen-Straße. Es sind Werke

vergessener Autoren mit Titeln wie „Das Problem der besten Gesellschaftsordnung“, „Krankenschein gefällig?“ oder schlicht „Arbeiterlesebuch“. In einem der Exemplare findet sich die handschriftliche Widmung „Viktor Adler in Verehrung“. Lesestoff, der buchstäblich aus den Jahrzehnten gefallen ist, der zugleich

einiges über den Umgang dieses Landes mit seiner NS-Vergangenheit erzählt, in aller Ambivalenz und Widersprüchlichkeit. Vor 25 Jahren wurde das Kunstrückgabegesetz in Österreich beschlossen – mit dem Ziel, die während oder als Folge der NS-Gewaltherrschaft in den Besitz des Bundes gelangten Sammlungsgegenstände aus den Bundesmuseen, der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB) und dem Bundesmobiliendepot an die ursprünglichen Eigentümerinnen und Eigentümer oder deren Rechtsnachfolgerinnen und Rechtsnachfolger zurückzugeben. 17 Bücher als ein Versuch später Wiedergutmachung. Restitution als hoch symbolischer Akt.

Wolfgang   Paterno

Wolfgang Paterno

ist seit 2005 profil-Redakteur.