© Marc Reiman

Aufgedreht
07/15/2022

„Damaged Goods“ mit Sophie Passmann: Drei von fünf Auberginen

Klischeeneurosen mit Sophie Passmann als Queen der Twentysomethings: Die neue Streaming-Serie „Damaged Goods“ bleibt hinter den Erwartungen zurück.

von Philip Dulle, Lena Leibetseder

Wir starten das Watchparty-Experiment: Zwei Laptops, zweimal Couch, eine neue Serie. Digital verbunden schauen wir im Corona-Sommer zusammen „Damaged Goods“ (auf Amazon Prime). Die Serie beginnt mit dem eingefrorenen Standbild einer Clique, einer Lawine an Entschuldigungen und der Erklärung, dies sei die letzte Folge.

Am Wort: die Autorin und Feministin Sophie Passmann in der Rolle der Nola, einer exmatrikulierten Psychologie-Studentin, die mit ihrer besten Freundin Hennie in einer Münchner Twentysomething-WG wohnt und einen Podcast über die Probleme (und Krankheiten) ihrer Freundinnen und Freunde startet. Und die sind mannigfaltig: Es geht um Identitäts- und Beziehungskrisen, Mental Health und sexuelle Uneindeutigkeiten, um Endometriose und Chlamydien, ums Zusammenziehen und um fatale Dating Apps – und die ewige Frage, ob es ein richtiges Leben im falschen gibt. Das Klischeeneurosen-Feuerwerk tut von Minute eins an weh. Denn die ganz bewusst platzierten Keywords der Generationen Z und Millennials wirken genau so –  sehr bewusst platziert und kalkuliert. Das dürfte auch den Cast irriteren, der über weite Strecken in einen Duktus verfällt, als würde er sich selbst synchronisieren. Das Problem: Der Versuch, alles richtig zu machen und jedes Zeitgeistthema abzuhandeln, führt dazu, dass für Tiefe und Reflexion kein Platz mehr bleibt, die betont diversen Figuren an der Oberfläche bleiben und an ihren eigenen Klischees laborieren.

Wir notieren im Watchparty-Chat: Sexismus, Rassismus, LGBTQIA+ und die Frage, wie viele Auberginen-Emojis der Fuckboy sich für seine sexuellen Leistungen verdient (Spoiler: 3 von 5). Alles abgehakt, nächstes Thema, nächstes Stereotyp. Die Dialoge tragen die Pointen vor sich her, und manchmal sitzen die Witze sogar. Gegen Ende sind wir dann doch von Passmann angetan, die in der nach ihrem Vorbild verfassten Rolle durchaus gut aufgehoben scheint. Fazit des gemeinsamen Streamens: Popkultur funktioniert dann, wenn sie überrascht und vielleicht im richtigen Moment das Falsche tut. Wir haben noch Hoffnung auf Staffel zwei.

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