Christoph Waltz in „The Zero Theorem“: Digitale Psychiatrie

Christoph Waltz in „The Zero Theorem“: Digitale Psychiatrie

Läuft alles nur auf Nichts hinaus? Christoph Waltz sucht in „The Zero Theorem“ nach dem Sinn des Lebens.

Die Frage nach dem Grund für die menschliche Exis-tenz ist bekanntlich ungelöst. In Terry Gilliams jüngstem Film, „The Zero Theorem“ (in Österreich ab 5.12. im Kino), geht ihr ein Spezialist mit digitalem Instrumentarium nach: Im London einer nicht allzu fernen Zukunft, in der Totalitarismus und lückenlose Überwachung gesiegt haben, wartet das psychisch angeschlagene Computer- und Hacking-Genie Qohen Leth (unbehaart: Christoph Waltz) auf den alles entscheidenden Anruf, der das Null-Theorem bestätigen, also das Problem des – mutmaßlich fehlenden – Sinn des Lebens ein für alle Mal lösen soll.

Leth vegetiert in einer ausgebrannten Kathedrale vor sich hin, seine Kontakte zur Außenwelt sind beschränkt. Zu seinem Boss, schlicht Management genannt und von Matt Damon dargestellt, hat er bloß virtuellen Kontakt, nur der erotisch aggressiven jungen Fremden (Mélanie Thierry), die eines Tages bei ihm hereinschneit, kommt er trotz seiner heftigen Sexualpanik näher.

Gilliams zirkus- und albtraumhafte Bildsprache beherrscht, wie weiland schon in „Brazil“ (1985), den dystopischen Slapstick, der in „The Zero Theorem“ veranstaltet wird – in einer ruinösen, paradox hochtechnisierten Cartoon-Welt, in der all die leeren Turbulenzen, in die sich die Figuren dieses Films verstricken, angesichts der gewohnt exzessiven Einsätze des Weitwinkelobjektivs noch sinnloser erscheinen. Man sieht dem Film den Druck einer Low-Budget-Produktion an, aber Mangel an Zeit und Geld ist im Kino keine grundsätzlich schlechte Nachricht, zumal sich Gilliam eine dennoch hochprominente, aus Freundschaft zum Regisseur weit unter ihrem Niveau bezahlte Besetzung leisten konnte: Neben Matt Damon haben auch David Thewlis und insbesondere Tilda Swinton als Online-Psychiaterin bizarre Nebenrollen übernommen.

So taucht man mit Leth ab ins Paradies der digitalen Illusion, in eine nihilistische Freakshow, einen Jahrmarkt des Retrofuturismus: „The Zero Theorem“ hat an Story nicht viel zu bieten, verzettelt sich in tausend anarchischen Manövern, um ein paar rudimentäre philosophische Konzepte (Technik-Existenzialismus, die Universalgewalt der Liebe) durchzudeklinieren – und in einer Hymne an den Selbsthass und das Gefühl des Deplatziertseins, in einer Easy-Listening-Version des Radiohead-Songs „Creep“ zu kulminieren.