Flüsterzweieck: "Wer immer lustig sein will, ist es meist nicht“

Flüsterzweieck: "Wer immer lustig sein will, ist es meist nicht“

Antonia Stabinger und Ulrike Haidacher – alias Flüsterzweieck – über den Witz ernster Themen, schlechte Auftritte und Frauenskepsis im Kabarett.

profil: Sie behaupten, Nischenkabarett zu machen. Wie grenzen Sie sich vom Mainstream ab?
Ulrike Haidacher: Das kommt gar nicht von uns, ist uns einfach von Anfang an nachgesagt worden. Als wir angefangen haben, dachten wir nur: Wir machen Dinge, die wir lustig finden – und das ist dann eben Kabarett.
Antonia Stabinger: Die Reaktion war die Behauptung, das alles sei total schräg, und niemand sonst würde so etwas machen.
Ulrike Haidacher: Es liegt wohl daran, dass wir nur szenisch arbeiten. Wir machen keine Stand-Up-Comedy und wechseln schnell zwischen den Szenen, ohne etwas zu erklären. Das ist untypisch für klassisches Kabarett.

profil: Haben Sie Vorbilder?
Haidacher: Ich habe anfangs kaum Kabarett gekannt. Da wir beide Germanistik studiert haben, kommen unsere Einflüsse eher aus der Literatur. Uns interessiert der Weg von der Sprache zum Text – und wie man diesen dann auf die Bühne bringt.

profil: Mit welchem Anspruch gehen Sie auf die Bühne?
Haidacher: Mit einem Anliegen. Mir geht es darum, authentisch dort oben zu stehen und über Themen zu sprechen, die ich selbst spannend finde.
Stabinger: Der beste Moment ist der, wenn das Publikum gerade völlig gleich tickt wie du. Wir schreiben ja sehr persönliche Texte, und es ist toll, wenn man merkt, dass die Leute genau verstehen, was du meinst. Man macht sich ja sehr nackt im Kabarett und kann sich vor nichts verstecken.
Haidacher: Es geht auch nicht nur darum, dass eine Pointe der anderen folgt. Wer immer lustig sein will, ist es meist nicht.
Stabinger: Man kann auch ganz normale Texte über ernste, abgründige Themen schreiben, und spätestens bei der Inszenierung schaut man, wo darin der Witz liegt. So werden auch Dinge lustig, von denen man es gar nicht erwartet hätte.

profil: Wie reagiert man, wenn man merkt, dass ein Abend nicht funktioniert?
Stabinger: Es kommt vor, dass man das Publikum nicht erreicht. Am Anfang ist das wirklich schlimm, da stirbt man tausend Tode und wünscht sich überall hin, nur nicht auf die Bühne.
Haidacher: Wir haben zunächst den Grazer Kleinkunstvogel, einen wichtigen Preis für Kabarett-Neulinge, gewonnen und gute Kritiken bekommen. Wir fanden uns toll – und als dann der erste schlechte Auftritt kam, waren wir total schockiert. Da hilft es dann, wenn man zu zweit ist.
Stabinger: Wir haben inzwischen gelernt, in solchen Fällen entspannt zu bleiben, Tempo und Energie beizubehalten. Gute Auftritte treiben einen dafür extrem an. Die Hochs sind sehr hoch, die Tiefs sehr tief.
Haidacher: Man darf das nicht so persönlich nehmen, manchmal sitzen einfach die falschen Leute da.

profil: Junge Kabarettistinnen werden vom Publikum oft weniger schnell akzeptiert als Männer. Woran liegt das?
Haidacher: Ich habe das Gefühl, dass das, was hierzulande als Kabarett gilt, männlich ist. Kommt ein Mann auf die Bühne, denkt das Publikum: Der ist jetzt sicher gleich witzig. Bei Frauen denkt es: Na ja, mal schauen. Die Skepsis ist sehr groß.
Stabinger: In unserem ersten Interview wurden wir gleich eingangs gefragt, ob Frauen lustig sein können. Einem Mann würde man diese Frage nie stellen.

Die 30-jährigen Grazerinnen Antonia Stabinger und Ulrike Haidacher gestalten neben ihren Kabarettabenden regelmäßig Beiträge für FM4 und waren unter anderem als Autorinnen und Darstellerinnen für die ORF-Satireserie „BÖsterreich“ tätig.