© Schauspielhaus Wien

Kultur
10/02/2019

Heilige Wut!

In Wiener Schauspielhaus findet, auf Initiative der Schule für Dichtung, am 4. und 5. Oktober eine prominent besetzte Feier des Zorns statt.

von Stefan Grissemann

„Gebenedeit sei die Wut deines Leibes“: Fritz Ostermayer, künstlerischer Leiter der Schule für Dichtung, variiert im Titel jenes kleinen Festival, das er kuratiert und initiiert hat (und das am Freitag/Samstag dieser Woche über die Bühne des Wiener Schauspielhauses gehen wird), in gewohnter Manier einen katholischen Leitsatz, das Ave Maria, auf – sagen wir – nicht ganz orthodoxe Weise. Die Exzentrik ist programmatisch zu verstehen: Man verspricht überraschende Lectures, Lesungen, Performances und Musik; unter den illustren Gästen finden sich die Künstlerin Stefanie Sargnagel, die aus den Wutbüchern Werner Koflers lesen wird, die Psychiaterin Heidi Kastner wird das wohlige Ventil des Zorns verteidigen, das fabelhafte Musikerinnen-Duo Natascha Gangl & Maja Osojnik wie das Berliner Noise-Rocktrio Gewalt kreative Klang-Aggressionsschübe pflegen.

„Die Wut des Zeitalters ist tief”

Kabinetttheater-Chefin Julia Reichert wird mit ihren Puppenspielern vier Dramolette aus Antonio Fians Zorn-Klasse der Dichtungsschule aufführen. Besondere Erwähnung gebührt jedoch der lebenden Legende Oswald Wiener, die – bald 84 Jahre alt – ungebrochen vor sich hin zu wüten weiß: Der Autor, Kybernetiker, Sprachtheoretiker und einstige Teilnehmer an der berüchtigten Aktion „Kunst und Revolution“ an der Wiener Uni 1968 wird aus seinem furiosen Sixties-Romanhauptwerk „die verbesserung von mitteleuropa“ vortragen.

Mit „Die Wut des Zeitalters ist tief” zitiert Ostermayer noch Heimito von Doderers Roman „Die Me¬rowinger oder die totale Familie“ und fügt hinzu: „Man darf die Wut nicht denen überlassen, die sie einem menschenver¬achtenden Nationalismus zuführen wollen.“ In diesem Sinne untersucht sein Festival, wie Hass und Gemütserregung politisch fruchtbar gemacht werden können, ohne den rechten Demagogen in die Hände zu spielen.

„Anger is an energy“

Man kann sich zudem stets auf den Satz, den Ex-Sexpistole Johnny Rotten in einem seiner Post-Punk-Songs so schön in die Welt gebrüllt hat, verlassen: „Anger is an energy“.

„Gebenedeit sei die Wut deines Leibes“: 4./5.10., Schauspielhaus Wien, Porzellangasse 19, jeweils 20 Uhr.

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