Im Bio-Biedermeier: Karl Merkatz mundlt sich durch "Der Blunzenkönig“

Zurück zum Heimatfilm: "Der Blunzenkönig"

Zurück zum Heimatfilm: "Der Blunzenkönig"

Ein echter Weinviertler geht nicht unter.

Karl Merkatz ist ein genuiner Lokalfilmstar: Seiner Präsenz ist das (mit weitem Abstand) beste Kassenergebnis eines österreichischen Kinofilms der vergangenen Dekade zu verdanken - über 370.000 Besucher verzeichnete 2009 Kurt Ockermüllers larmoyante Mundl-Hommage "Echte Wiener“. Um Generationenkonflikte kreist nun auch das auf einem rustikalen Theaterstück (und Drehbuch) Christoph Frühwirths basierende Lustspiel "Der Blunzenkönig“: Als Weinviertler Gastwirt, Kettenraucher und Sparefroh ärgert sich Merkatz über seinen hedonistischen Sohn (Andreas Lust), der wenig Interesse an der Übernahme des Wirtshauses hat - bis diesen die Affäre mit einer Veganerin (Jaschka Lämmert) zurück ins Bio-Biedermeier bringt: Baby, Bauernhof und Beziehungsharmonie statt Sex, Bier und Easy-Rider-Leben.

Der Blunzenkönig - Trailer

Davor serviert man, zu besinnlicher Kammermusik, matte Scherze um einen pedantischen Lebensmittelkontrolleur und die Fleischverzichtsentgeisterung des Blutwurstpatriarchen, während allenfalls Nebendarstellerinnen wie Inge Maux für ein bisschen Emotion sorgen. Gespür für schauspielerische Zwischentöne möchte man Regisseur Leo Maria Bauer nicht unterstellen, der lieber pflichtschuldig die Instinktreaktionen der Sau im Stall auf des Blunzenkönigs redundante Monologe verzeichnet. Merkatz nimmt seine seit Mundl-Tagen angestammte Rolle des von den Verhältnissen enttäuschten, also cholerischen Proletariers wieder auf: Veggie-Wirtschaft statt Schlachtbetrieb, ja, gibt’s denn das? Aber eine doppelte Romanze versöhnt alle mit allem, Jung und Alt fügen sich erleichtert ins Schicksal: Der alte Heimatfilm ist wieder da, erschreckend untot, wie ein aus kühlem Grab Auferstandener.