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Kultur
03/20/2015

Liebe tut weh: „Olya's Love“

Liebe tut weh: „Olya's Love“

von Stephan Wabl

Liebe tut weh. Und gleichgeschlechtliche Liebe tut häufig doppelt weh – jedenfalls in Russland. Olya, eine lebenslustige junge Frau mit Dreadlocks und einem Sonnenaufgangs-Lachen, liebt Galiya, eine kurzhaarige Grafikdesignerin mit einem coolen Händchen für Zigaretten und Weingläser. Gemeinsam denken sie in dem russisch-österreichischen Dokumentarfilm „Olya's Love“ darüber nach, Kinder zu bekommen und fragen ganz unverbindlich im Freundeskreis nach potentiellen Samenspendern.

Gnadenlose „Riot Police“

Von Regisseur Kirill Sakharnov mit einer Kamera ausgestattet, halten die beiden ihren Alltag und ihre Beziehung fest – fürsorglich, humorvoll, ungeduldig, euphorisch, lebensfroh. Verlassen die beiden jedoch ihre vier Wände, wird es häufig ungemütlich. Bei Protesten gegen ein neues, die LGBT-Community diskriminierendes Gesetz von Präsident Wladimir Putin greift Russlands „Riot Police“ gnadenlos durch. Eine von Olya organisierte Ausstellung mit Fotos von gleichgeschlechtlichen Paaren aus Deutschland wird von einer militanten orthodoxen Gruppe lautstark gestört. Immer wieder kommt es zu - häufig gewalttätigen - Auseinandersetzungen mit Gegnern der LGBT-Community.

Doch Olya lässt sich davon nicht abschrecken, geht weiterhin zu Demos, verteilt Flugblätter und organisiert Veranstaltungen – auch wenn ihre Kräfte merklich schwinden. Gleichzeitig schleichen sich jedoch nach und nach Risse in ihre eigene Beziehung ein, am Ende verliebt sich ihre Partnerin Galiya in eine andere Frau, das Paar trennt sich, Olya lässt ihrer Trauer vor der Kamera freien Lauf. „Ich habe wirklich gedacht, dass wir ein Leben lang zusammen bleiben werden“, ist sie enttäuscht und lernt, dass ewige Versprechen in der Liebe von nur kurzer Dauer sein können.

Wir werden nie mehr schweigen!

In der knapp 70 Minuten Dokumentation wird indes noch ein zweites Versprechen ausgesprochen. „Wir werden nie mehr schweigen!“, rufen sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen einer LGBT-Demo zu, nachdem einer ihrer Proteste zuvor gewaltsam aufgelöst worden war. Als Zuseher ist man überzeugt, dass dieses Versprechen halten wird – auch wenn es weh tun wird.

Am Ende findet Olya ihre Lebensfreude wieder und als Studentin an der Kunstakademie in St. Petersburg eine neue Heimat. Die junge Frau hat ihre Krise überwunden, hat sich weiterentwickelt und ist ein Stück erwachsener geworden. Bleibt zu hoffen, dass auch Russland einen ähnlichen Weg geht. Die Liebe wird dann zwar immer noch wehtun. Aber den Schmerz frei wählen, darf dann zumindest jeder wie er möchte. Diesen persönlichen Weg und politischen Kampf empathisch, aber unsentimental auszuleuchten, ist das Verdienst von „Olya’s Love“.

Samstag, 21. März, 23 Uhr, Schubertkino 1

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