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Staatsoper: Im Zirkus Opera

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Staatsoper: Im Zirkus Opera

Der Staatsopernchef hat, trotz einer gewissen Führungsschwäche, die jüngsten Eklats schon überstanden.

Führungsstil? Danach hat man den über die Wiener Staatsoper 18 Jahre lang unumschränkt herrschenden Ioan Holender nie gefragt. Er schaffte an – und der Vorhang ging hoch. 300 Mal im Jahr. Er stritt sich mit den Wiener Philharmonikern, mit Regisseuren, Dirigenten und Primadonnen. Er war der letzte Herr der Manege im Zirkus Opera. Auch Holenders Nachfolger Dominique Meyer pflegt an der Staatsoper so etwas wie einen Führungsstil.

Nach außen konziliant, leise und gelassen. Innen soll aber einiges im Argen liegen, der Direktor gilt als wenig entscheidungsfreudig. Wenn der in französischen Ministerien und im von einer Bank geförderten Pariser Théâtre des Champs-Elysées groß gewordene Elsässer aber etwas anordnet, schreien neuerdings vor allem die Dirigenten auf. Meyer ist verwöhnt von immensen Auslastungszahlen, er hat die Philharmoniker loyal hinter sich, er streamt Vorstellungen weltweit. Nur mit dem Premierenglamour, der internationalen Ausstrahlung der Wiener Novitäten, hapert es. Weil ihm Regie nicht so wichtig ist. Immerhin: Die kommenden Premierenregisseure – Lev Dodin, Pierre Audi, Uwe Eric Laufenberg, Robert Lepage – klingen etwas spannender als alles, was in den letzten drei Spielzeiten hier aufgeboten wurde. Und Meyer ist als Hausherr für den Opernalltag doch wichtiger als ein sensibler, letztlich ersetzbarer Dirigent.

Das mussten nun auch der Dirigent Bertrand de Billy und sein Manager Michael Lewin erfahren. Die meinten, als Trittbrettfahrer dem angezählten Meyer einen weiteren Stoß versetzen zu können, als sie wenige Tage nach der Demission Welser-Mösts ebenfalls sämtliche Dirigate de Billys zurücklegten. Der nämlich hatte dem vorwiegend als Lokalmatador gefeierten französischen Dirigenten, der im Mai 2014, nur drei Wochen vor der „Lohengrin“-Premiere, wegen einer Kürzungslappalie ausgestiegen war, schon zugesagte Premieren entzogen. Was man durchaus verstehen kann. De Billys Absage an Meyer wurde nach erstem Erstaunen und Kopfschütteln erstaunlich rasch wieder vom Theateralltag verschluckt. Da hat sich jemand offenbar für sehr wichtig gehalten – und verschätzt. Jetzt muss Meyer noch ein paar Dirigate mehr nachbesetzen, von denen die ersten personell schon nicht viel schlechter aufgefüllt wurden.

Die Oper, dieses wahnwitzige Gesamtkunstwerk, seit 400 Jahren am Leben und immer wieder totgesagt, ist immer noch ein Irrenhaus. Da wird intrigiert, gewinselt, gedroht, getobt und geschrien. Aber weil sich alle hinterher in diesem dann doch sehr überschaubaren Geschäft wieder liebhaben müssen, hat all dies meist keine großen Konsequenzen. Aufpassen muss Dominique Meyer nun dennoch. Nur alles aussitzen, das ist auf Dauer kein Führungsstil. Doch gegen die Zustände am Burgtheater sind die Scharmützel an der Oper ohnehin nur Sandkastenschlachten.