Die Regisseurin Marie Kreutzer sitzt zurückgelehnt auf einer hellen Treppe
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Teichtmeisters Schatten: Marie Kreutzers Missbrauchsdrama in Cannes

Die Filmemacherin Marie Kreutzer hat mit „Gentle Monster“ das vielleicht gewagteste Projekt ihrer Karriere ins Auge gefasst. Sie exorziert damit auch die Dämonen ihrer jüngeren Vergangenheit. Beim Festival in Cannes nimmt die Österreicherin dieser Tage am Rennen um die Goldene Palme teil.

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In den Wettbewerb der Filmfestspiele in Cannes eingeladen zu werden, gehört zu den größten Ehrungen, die man erfahren kann, wenn man Filme macht. Wenigen gelingt dies, in den vergangenen beiden Jahrzehnten beschränkte sich, was Österreichs Regiekräfte betrifft, jener Kreis auf Michael Haneke, Jessica Hausner, Ulrich Seidl und Markus Schleinzer. Wer an Kino-Erzählungen arbeitet, wo auch immer auf diesem Planeten, will nach Cannes – dorthin, wo internationale Regiegrößen wie David Cronenberg, Pedro Almodóvar, Julia Ducournau und Ruben Östlund ihre jeweils jüngsten Filme zur Uraufführung bringen. 

Für Marie Kreutzer, 48, gebürtige Grazerin, ist es heuer erstmals so weit: Vier Jahre nach ihrem ersten Cannes-Auftritt mit dem erstaunlichen Sisi-Biopic „Corsage“, das sie vor vier Jahren in der Nebenschiene Un certain regard erstmals zeigte, findet sie sich nun im Zentrum des bedeutendsten Filmfestivals der Welt, im Kampf um die Palme d’or, den Cannes-Hauptpreis, wieder. „Gentle Monster“ hat Kreutzer ihre neue Arbeit genannt, die sie am Freitag spätabends im Grand Théâtre Lumière vor 2300 Menschen präsentierte, flankiert von zwei französischen Filmstars – von ihrer Hauptdarstellerin Léa Seydoux und der legendären Catherine Deneuve, die im Film eine wesentliche Nebenrolle spielt.

Die französische Schauspielerin Léa Seydoux sitzt mit versunkenem Blick in einem Innenraum an einem Konzertflügel
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Es mag auf den ersten Blick nicht ersichtlich sein, wie persönlich Marie Kreutzer diesen Film nimmt: Aber wer am Freitag, kurz vor Mitternacht, geduldig genug war, konnte im Abspann einen vielsagenden Satz lesen: Sie danke all ihren „Hatern“, schrieb Kreutzer im Kleingedruckten ihres Schlussrollers, die sie vor ein paar Jahren zu der Erkenntnis führten, dass sie diesen Film drehen musste. Nichteingeweihte werden angesichts dieser Erklärung stutzen: Wer sollte Marie Kreutzer gehasst haben? Weswegen denn? Und wie sollte dieser Hass ihren Film motiviert haben?

Stefan Grissemann

Stefan Grissemann

leitet seit 2002 das Kulturressort des profil. Freut sich über befremdliche Kunst, anstrengende Musik und waghalsige Filme.