© Seacia Pavao/​Netflix

Film
03/01/2021

Netflix-Film "I Care a Lot": Fette Beute

Die Betreuerin ist ein Monster, aber sie hat es auch nicht immer leicht: Der aktuelle Netflix-Hit "I Care a Lot" ist aus böser Comedy und semi-heiterer Misanthropie gemixt.

von Stefan Grissemann

Die Zeitlupenbilder sind stylish, die Farben poppig, nur die weibliche Stimme aus dem Off klingt zynisch. Gute Menschen? Gibt es nicht. Nur dumme. Opfer eben. Sie selbst, sagt sie noch, sei kein Lamm. Sondern, genau: eine Löwin. Der Blick der Schauspielerin Rosamund Pike lässt frösteln, sie spielt in dem Film "I Care a Lot" eine aus Gier zu allem Entschlossene. Mit falschen ärztlichen Attesten verschafft sich Marla die Vormundschaft betuchter älterer Leute, verfrachtet sie per Gerichtsbeschluss in eine geschlossene Anstalt und bedient sich an deren Eigentum. Eine Hand schmiert die andere, und alle Komplizinnen im bösen Spiel sind ebenso verschlagen und verroht wie die Heldin selbst. Der Pflegebereich ist ein beinhartes Business.


Marlas neue Cashcow aber ist eine Frau, an die sie besser nicht geraten wäre. Dianne Wiest spielt die steinreiche und sehr gesunde Dame, die aus dem Luxus ihres Eigenheims ins Pflegeheim versetzt und sediert wird, mit spürbarer Lust am trashigen Erzählmaterial. Ihre Wertsachen werden konfisziert und verhökert, ihre Diamanten abgezweigt. Doch sie hat einen hochkriminellen Sohn. Und er ist recht cholerisch.


Der britische Genre-Spezialist Jonathan Blakeson, der auch das Drehbuch für diese aktuell sehr populäre Netflix-Produktion verfasst hat, erfindet das Entertainment nicht neu, aber er hat die Regie-Zügel gut in der Hand, und er benützt Pikes Bosheitsreservoirs souverän. Die Rachegroteske, auf die "I Care a Lot" hinausläuft, kommt unter- und unaufhaltsam. Was der Film aber an Subtexten über wehrhafte Frauen und die Abgründe des Kapitalismus noch mitliefern will, darüber möchte man lieber nicht so genau nachdenken.
 

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