Neue Alben: Kanye West und Steve Mason

Auf seinem dritten Soloalbum klingt Steve Mason euphorischer denn je zuvor

Auf seinem dritten Soloalbum klingt Steve Mason euphorischer denn je zuvor

Großzügiger Pop-Größenwahn und friedvoll zu Bett gehen: profil unerhört bespricht die wichtigsten Alben der Woche.

Kanye West: The Life Of Pablo (Def Jam)

„This is a God Dream“, heißt es gleich zu Beginn von „The Life Of Pablo“, dem neuesten, letzte Woche von Kanye West veröffentlichten Album. Soll heißen: Mit irdischen Maßstäben ist die Welt des 39-jährigen US-Rappers ohnehin nicht mehr zu messen. Außer Frage steht: Rapper Kanye West nicht nur einer der wichtigsten, sondern auch umstrittensten Musiker der letzten Jahre. Ein US-Magazin nannte ihn vor dem Erscheinen seines letzten Albums „Yeezus“ ehrfurchtsvoll „American Mozart“. Was kann einer wie er noch wollen? Auf „The Life Of Pablo“ enthüllt der für seine dadaistischen Twitter-Attacken bekannte West ein Album, das auch Tage nach seiner Veröffentlichung noch nicht ganz fertiggestellt ist. „The Life Of Pablo“ ist ein erratisches Eintauchen in unterschiedlichste Stile und Samples, ein Album, das klingt, als wäre es eine Sammlung unfertiger Tracks, aber in seiner Gesamtheit, ein genaues Bild davon entwirft, wie Musik heute nicht nur klingen kann, sondern auch muss. Verwischter Gospel, eingestreute Groove-Feuerwerke, reduzierte Sample-Spielerei, großzügiger Pop-Größenwahn. Dass das in seiner Gesamtheit nicht an das radikale „Yeezus“ heranreicht und schon gar nicht das Jahrhundertwerk „My Beautiful Dark Twisted Fantasy“ heranreicht, dürfte eigentlich nur Kanye West selbst überraschen. Kein Wunder also, dass „The Life Of Pablo“ bisher nur gestreamt werden kann, immerhin behält sich der Meister vor, einige der Songs noch zu überarbeiten. Die Unvollendete. Schierer Wahnsinn. (8.0/10) Ph. D.

Steve Mason: Meet the Humans (Domino)

Steve Mason hat mit "Monkey Minds in the Devil’s Time" das am meisten unterschätzte Album des Jahres 2013 veröffentlicht. Drei Jahre später veröffentlicht der Schotte und Ex-Beta-Band-Sänger mit "Meet the Humans" das am meisten unterschätzte Album des Jahres 2016. Und das, obwohl beide Alben nicht unterschiedlicher sein könnten. Damals hat sich Mason mit seinem vielschichtigen und düsterem Konzeptalbum Stück für Stück aus einem Nervenzusammenbruch und dunklen Wolken herausgearbeitet. Mittlerweile ist der Singer/Songwriter aus der schottischen Einöde ins umtriebige Brighton gezogen und fühlt ich unter Menschen wohler denn je. Und diese neue Freude zieht sich vom Artwork über den Sound bis zu den Songtiteln durch das ganze Album. Nein, die Melancholie und das schwere Herz sind keinem Regenbogensonnenschein gewichen. Aber Mason versteht es ungemein berührend, aus der eigenen Vergangenheit herauszutreten, diese gleichzeitig mitzunehmen, im Gespräch mit ihr nach einer langen Nacht friedvoll schlafen zu gehen und sich dann mit einem Lächeln im Gesicht auf den nächsten Tag zu freuen. Guten Morgen und "Meet the Humans"! (9.0/10) S.W.

Steve Mason - Planet Sizes (Official Video)

Playlist: Honorable Mention

1. Animal Collective: Painting With (Domino)
2. Suede: Night Thoughts (Warner)
3. Bonnie Prince Billy: Pond Scum (Drag City)
4. Get Well Soon: Love (Caroline)
5. Jim Bryson: Somewhere We Will Find Our Place (Fixed Hinged)

profil-Wertung:
Von "0" (absolute Niederlage) bis "10" (Klassiker)