Neue Alben: The Prettiots, DIIV, Junior Boys

Nabelschau. The Prettiots - Funs Cool

Nabelschau. The Prettiots - Funs Cool

Dass die „Netflix and chill“-Verabredung oft alleine vor der Flimmerkiste endet, wissen die New Yorkerinnen The Prettiots nur zu gut. Außerdem: Neue Alben von DIIV und Junior Boys. profil unerhört bespricht die wichtigsten Alben der Woche.

DIIV: Is The Is Are (Captured Tracks)

Vier lange Jahre sind seit dem letzten DIIV-Album vergangen, eine Achterbahnfahrt liegt dazwischen. Heroinsucht des Sängers, Verurteilung wegen Drogenbesitz. Auf dem Doppelalbum „Is The Is Are“ zaubert der Brooklyn-Vierer nun eine wunderbare Mischung aus Postpunk, Shoegaze und Dream-Pop aus dem Hipster-Hut. Wunderschöne Melodiebögen, dezente Melancholie, forschende Soundlandschaften, die sich wie ein Karussell drehen und drehen und drehen. Sänger, Gitarrist und DIIV-Kreativzentrum Zachary Cole Smith beweist auf den 17 neuen Songs, dass er nicht nur ein gutes Gespür für medialen Drogenkonsum und interessante Beziehungen (Sky Ferreira!) hat, sondern auch feine Gitarrenmusik abseits jeglicher Indierock-Konventionen machen kann. (8.0/10) Ph. D.

DIIV // Under The Sun (Official Single)

Junior Boys: Big Black Coat (City Slang)

Sie mögen Caribou und Hot Chip? Dann sind Sie hier richtig. Die Kanadier Jeremy Greenspan und Matt Didemus alias Junior Boys zelebrieren auf „Big Black Coat“ ihren Elektropop als flirrendes, aber durchaus strukturiertes Klangabenteuer. Ihre Synthiespielereien lassen Dubstep, Techno und R&B aufeinanderprallen und dabei einen völlig neuen Soundkosmos entstehen. Die vordergründige Retro-Verliebtheit der Junior Boys bei genauerer Beobachtung sehr viel Neues entdecken. Auf „Big Black Coat“ tummeln sich elf Songs elektronsicher Tanzmusik, die von Sehnsucht und Begehren handeln und dabei eine wunderbare Melancholie entwickeln. Als Bonus gibt es Bobby Caldwells Soulhymne „What You Won’t Do For Love“ als unwiderstehliche Coverversion. (7.7/10) Ph. D.

Junior Boys - Over It

The Prettiots: Funs Cool (Rough Trade)

Die Liebe in Zeiten von Tinder ist ein Ärgernis. Doofe Jungs, schlechter Sex, depressive Schübe; und es fehlt ohnehin die Zeit, jemanden wirklich kennen zu lernen. Dass die New Yorker Girl-Band The Prettiots mit ihren heiter bis wolkigen Ukulele-Lo-Fi-Songs den Nerv der Zeit zu treffen scheint, ist dabei wenig verwunderlich. Die fehlende musikalische Expertise macht das sympathische Trio mit einer gehörigen Portion Ehrlichkeit und Plauderwahnsinn weg. Die „Netflix and chill“-Verabredung endet eben oft alleine vor der Flimmerkiste. (6.8/10) Ph. D.

The Prettiots-Boys (I Dated In Highschool)