Oscar-Anwärter Vollrath: "Ums Gewinnen geht es gar nicht"

Jung-Regisseur Patrick Vollrath in Hamburg beim Studio Hamburg Nachwuchspreis 2015.

Jung-Regisseur Patrick Vollrath in Hamburg beim Studio Hamburg Nachwuchspreis 2015.

Oscar-Nominierung für einen kleinen Wiener Thriller: Regisseur Patrick Vollrath tritt diese Woche in Hollywood an. Eine Begegnung.

Im Dolby Theatre, jenem nicht ganz geschmackssicher gestalteten Stück Architektur am Hollywood Boulevard in Los Angeles, wird in der Nacht vom 28. auf 29. Februar - im Rahmen der diesjährigen Oscar-Gala - unter den nominierten Ehrengästen ein junger Filmemacher sitzen, der sich vielleicht noch einmal fragen wird, wie das alles passieren konnte.

Vor 13 Monaten war der gebürtige Niedersachse Patrick Vollrath gerade mit seinem Studium an der Wiener Filmakademie fertig geworden, mit einer halbstündigen Regiearbeit, die er "Alles wird gut" genannt hatte. Ihre Uraufführung würde in Saarbrücken beim Max Ophüls Preis stattfinden, so viel wusste er. Was aber dann geschah, konnte er nicht ahnen: Er gewann in Saarbrücken einen Hauptpreis, wurde nach Cannes eingeladen, danach setzte ein internationaler Preisregen für den Regisseur und seine Crew ein, der in der Oscar-Nominierung in der Kategorie Bester Kurzfilm gipfelte.

Für die unabsehbare Karriere seines Films findet der Regisseur nur einen Begriff: "verrückt". Hätte ihm dies jemand vor einem Jahr prophezeit, er hätte ihn "für wahnsinnig erklärt". Als besonders markt- und auszeichnungstauglich sei "Alles wird gut" jedenfalls nicht geplant gewesen, erklärt Vollrath bei einem Spaziergang rund um den von der Berlinale bespielten Potsdamer Platz. "Ich wollte eine kleine, ehrliche Geschichte erzählen - in einer dramaturgischen Form, die das klassische Kino, mit dem ich aufgewachsen bin, einfließen lassen sollte, ohne aber das Arthouse-Kino und die Improvisation auszublenden. Ich schrieb nur die Struktur der Erzählung nieder, die ich dann sehr frei inszeniert habe. Es gab keine vorgegebenen Dialoge, lediglich eine feste Dramaturgie; eine klare, geradlinige Sache."


Ich wollte da unbedingt mal hin. Ums Gewinnen geht es gar nicht.

"Alles wird gut", offiziell Vollraths Bachelor-Film, der sein Regiestudium bei Michael Haneke absolviert hat, ist tatsächlich schnörkellos in Szene gesetzt - ein realistischer Thriller ohne künstliche Krimistruktur, ein Drama der An-Spannung. Ein gestresster Vater, formidabel verkörpert von Simon Schwarz, holt seine achtjährige Tochter ab; er hat, wie sich erst nach und nach herausstellt, etwas vor mit ihr, das er weder seiner Ex-Frau noch seiner Tochter offenbart. Er will sich mit ihr ins Ausland absetzen. Aber der Plan geht schief.

"Als jemand, der unter Haneke gelernt hat, sehe ich meine Arbeit natürlich unter den Prämissen des psychologischen Realismus“, sagt Vollrath. "Ich mochte die allzu stilisierten, manierierten Filme nie." Er schätze Hanekes Präzision, seine enorme Genauigkeit im Agieren und Reagieren der Figuren. Seine kleine Heldin, Julia Pointner, ist die Trumpfkarte des Films. Sie stellt das erst ratlose, dann immer verängstigtere Kind perfekt dar. "Julia verstand und wusste alles, mit ihr kann man wie mit einer Erwachsenen reden. Und ich wollte ja, dass meine Schauspieler wie Menschen sprechen, nicht wie Leute schreiben."

Daran, dass er den Oscar erhalten werde, glaubt Patrick Vollrath nicht ernsthaft. Dazu sei der Stoff zu klassisch, nicht "politisch" genug. Eine Dankesrede schreibt er nicht. "Das entspannt mich aber, ehrlich gesagt. Ich wollte da unbedingt mal hin. Ums Gewinnen geht es gar nicht."