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Kultur
01/27/2022

Paul Thomas Anderson: Glück aus Lakritze

Paul Thomas Anderson legt eine inspirierte Pop-Liebes-Comedy vor: „Licorice Pizza“ glänzt durch Exzentrik und Ideenvielfalt. Ab heute ist sie in den österreichischen Kinos zu sehen.

von Stefan Grissemann

Das Genre der Romantic Comedy hat sich das Misstrauen,das man ihm entgegenbringen mag, redlich verdient; zu viele nach Industrierezept und Trivialformel hergestellte RomComs verstellen seit den 1980er-Jahren die Sicht auf Hollywoods Entertainment-Expertise. Umso schöner ist es, wenn kunst- und sachkundige Menschen die Gattung mit Erfindungsgeist zu revitalisieren versuchen.

US-Regisseur und -Autor Paul Thomas Anderson („Magnolia“; „There Will Be Blood“) gelingt mit „Licorice Pizza“, stilecht festgehalten mit 35mm-Kameras, die man mit Objektiven aus der Ära ausgestattet hat, nun ebendies: Seine so exzentrische wie zarte und popmusikalisch unterfütterte Coming-of-Age-Erzählung ist thematisch leichtgewichtig, aber derart ideenreich gefertigt, dass man sich ihrem komischen Reiz kaum entziehen kann.

Wieder kehrt Anderson ins San Fernando Valley zurück, an den Ort (und in die Zeit) seiner Kindheit, ins Suburbia von Los Angeles, wo ein sich zum Jungstar stilisierender Teenager um eine abgebrühte Fotoassistentin buhlt, die zehn Jahre älter ist als er. Die Besetzung des Duos ist fabelhaft: Alana Haim, Mitglied des höchst erfolgreichen Schwestern-Poptrios Haim, wagt in „Licorice Pizza“ ihren Einstieg ins Schauspielgewerbe. Die Frische ihres Zusammenspiels mit Cooper Hoffman, dem hier ebenfalls debütierenden Sohn des verstorbenen Charakterdarstellers Philip Seymour Hoffman, ergibt sich auch aus dem Umstand,dass beide gängigen Schönheitsidealen nicht entsprechen (und gerade deshalb die Blicke fesseln).

Die Lakritze-Pizza des Titels verweist übrigens auf eine einstige kalifornische Plattenladenkette (sowie auf die Form und den Schimmer schwarzen Vinyls) zurück.