Lebensmittelpunkt Supermarkt: Szene aus "Die Discounter"

© Amazon Prime

Aufgedreht
01/21/2022

„Superstore“ und „Die Discounter“: Die Welt ist ein Supermarkt

Was uns die TV-Serien „Superstore“ und „Die Discounter“ über die Corona-Gegenwart erzählen.

von Philip Dulle, Lena Leibetseder

Die Frage drängt sich auf: Ist der Supermarkt der letzte Ort des sozialen Zusammenlebens? In Zeiten, als Restaurants nur noch to go anbieten durften und Bars schließen mussten, konnte man wenigstens noch durch den lokalen Lebensmittelmarkt flanieren; auf der Suche nach dem nächsten Drink, einem Homeoffice-Lunch oder dem schnellen Flirt an der Wursttheke. Zwei Streaming-Serien widmen sich aktuell dem Phänomen des täglichen Einkaufs zwischen Hamburg-Altona und St. Louis im mittleren Westen der USA. Die Sitcom „Superstore“ (Netflix) zeigt die Arbeits-, nein, vielmehr die Lebensrealität in einem Walmart-artigen Megamarkt, der eine kleine, geschlossene Welt für sich ist. Denn: Nicht nur die Belegschaft verbringt hier einen Gutteil ihres Lebens, verliebt und trennt sich, bekommt Kinder oder trifft sich zum abendlichen Biertrinken am Parkplatz. Auch die Kundschaft vertrödelt in dieser Neonröhren-Parallelwelt gerne ihre Tage.

Die deutsche Serie „Die Discounter“ (Amazon Prime) funktioniert nach dem Prinzip mockumentary und erinnert in Sachen Kameraführung und dem direkten Blick in die Linse nicht zufällig an Vorbilder wie „The Office“ oder „Fleabag“. Dabei ist die Serie über einen desolaten Billig-Supermarkt kein ins Norddeutsche übertragener US-Abklatsch, sondern in Sachen Gag-Dichte und Improvisation erstaunlich erfrischend. Das ist vor allem dem jungen Ensemble geschuldet, das bei Feinkost Kolinski nach dem Sinn und Unsinn des Lebens sucht. Eines können wir versprechen: Nach dem Konsum dieser Serien werden Sie die Welt (und die Menschen) Ihrer Supermärkte mit anderen Augen sehen.

 

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