Tänzertruppe in bunten Kostümen im Synchrontanzschritt
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Der Kitzel choreografierter Körper: Start des Wiener ImPulsTanz-Festivals

Alles in Bewegung: Wiens ImPulsTanz-Festival wird am Donnerstag sein diesjähriges Programm eröffnen – und die Stadt, wie jeden Sommer, in Atem halten.

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Es ist jedes Jahr wieder verblüffend, wie sehr ein Festival für Gegenwartstanz dem hochsommerlichen Wien seinen Stempel aufdrücken kann: Aber Karl Regensburger, langjähriger ImPulsTanz-Intendant, und sein Team verstehen es prächtig, den Blick über Workshops, Partys und Tanztraining im öffentlichen Raum auf ihre viereinhalbwöchige Veranstaltung (9. Juli bis 9. August) zu lenken. Die Qualität der an diversen Schauplätzen (von Volks- und Burgtheater bis WUK, Odeon und Mumok) gebotenen Performances ist jedoch entscheidend, darauf legt man bei ImPulsTanz allergrößten Wert: Branchenstars wie Boris Charmatz, Trajal Harrell und Wim Vandekeybus treten hier ganz selbstverständlich auf.

Junger Tnzer springt mit ausgebreiteten Armen über die Bühne
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Auch die Belgierin Anne Teresa De Keersmaeker ist so etwas wie eine Fixbuchung: Mit dem Libanesen Rabih Mroué steht sie in „A little bit of the moon“ auf der Bühne – und bringt auch die artistische, mit ihrem marokkanischen Kollegen Radouan Mriziga entworfene Klimakatastrophenreflexion „Il Cimento dell’Armonia e dell’Inventione“ erneut nach Wien. Zwei Klassiker aus New York, einst inszeniert von Trisha Brown und Merce Cunningham, werden unter dem Titel „Dancing with Bob“ den 100. Geburtstag des Künstlers Robert Rauschenbergs zelebrieren.

Österreichs Choreografiekräfte sind, wie stets, bei ImpulsTanz sehr präsent: Chris Harings Truppe Liquid Loft etwa präsentiert in musealem Rahmen eine neue Arbeit, die den Begriff des Widerstands streng physisch nimmt. Christine Gaigg denkt in „Jealousy“ praktisch über das – aus ihrer Sicht nicht nur destruktive – Gefühl der Eifersucht nach; dabei involvieren sie und ihr Ensemble entschieden auch das Publikum. Entziehen kann man sich dieser Arbeit also im doppelten Sinne nicht.

Und die Choreografin Silke Grabinger spielt ebenfalls grundsätzlich auf Risiko: In ihrer Interaktion mit Robotern und künstlicher Intelligenz allegorisiert sie nicht nur die ungleiche Konfrontation von Menschenkörper und Maschine, sondern lenkt den Blick auch auf die schleichende Unterwerfung des Homo sapiens im Kampf gegen eine Technologieindustrie, die uns zu zerstreuen und zu helfen vorgibt.

Stefan Grissemann

Stefan Grissemann

leitet seit 2002 das Kulturressort des profil. Freut sich über befremdliche Kunst, anstrengende Musik und waghalsige Filme.