Thaddaeus Ropac

Thaddaeus Ropac in seiner Galerie in Salzburg. 

© Franz Neumayr

Titelgeschichte
10/28/2021

Thaddeus Ropac: „Todernst muss man den Kunstmarkt nicht nehmen“

Thaddaeus Ropac gehört zu den einflussreichsten Gestalten des globalen Kunstmarkts. Im Interview erinnert sich der Galerist an Andy Warhol und Joseph Beuys und erklärt, wie er in einem sich radikal wandelnden Kunstbetrieb Schritt hält. [E-Paper]

von Stefan Grissemann

Die Salzburger Galerie Ropac, direkt neben dem Mirabellgarten, an einem Spätsommertag. Der diskrete Charme des Thaddaeus Ropac ist unmittelbar spürbar.: Der Hausherr empfängt einen gewohnt unaufdringlich, freundlich, in aller Ruhe, als hätte er den ganzen Tag nichts anderes zu tun, als sich um den Besuch aus Wien zu kümmern. Ehe das Interview beginnt, bietet Ropac eine Führung durch die gerade laufende Ausstellung des amerikanischen Minimalisten Donald Judd an; eine durch die Räume flanierende Besucherin schließt sich scheu an, um Ropacs wohltönenden Worten zu folgen.

Nach wenigen Minuten kommt es zu Lärmentwicklung und einem jäh auftretenden Kontrollverlust; das Kind eines Touristen lässt sich zu Boden fallen, beginnt aus unbekannten Gründen zu brüllen und um sich zu schlagen. Ropac überlegt eine Sekunde lang und tritt, als er sieht, wie nah das tobende Kind den im Raum verteilten Judd-Boxen ist, auf den Vater zu und bittet ihn in ruhigen Worten, vorsichtig zu sein oder die Galerie kurz zu verlassen. Mit spürbarer Aggression, auch über die eigene Hilflosigkeit im Umgang mit seinem Kind, richtet der maskierte Mann den Blick aus nächster Nähe auf Ropac und zischt ihm mit kaum unterdrückter Wut eine Entschuldigung entgegen, die eher wie eine Hassbezeugung klingt, bevor er sein Kind in Richtung Ausgang zerrt. Ropac blickt dem wilden Abtransport hinterher und sagt leise, leicht schockiert: „Wow, what a scene“.

Spektakuläres, allerdings ungleich Beruhigenderes findet sich auch im Galerie-Nebentrakt, der ein zentrales Werk der modernen Konzeptkunst beherbergt, Marcel Duchamps stachelig-metallischer „Flaschentrockner“, der 1914 zu einem der frühesten „Ready-Mades“ der Kunstgeschichte wurde. Acht dieser Objekte, identisch aussehend, hat Duchamp in den 1960er-Jahren autorisiert; die in Salzburg präsentierte Version ist inzwischen weitergereist und wird gegenwärtig in der großen Duchamp-Ausstellung in der Londoner Ropac-Dependance präsentiert.

Ropac, 61, der Mann im nachtblauen Flanell, der vor wenigen Wochen in Seoul einen weiteren Außenposten seines Galerie-Imperiums eröffnet hat, ist ein zentraler Player im globalen Kunstbetrieb: Der gebürtige Klagenfurter verwaltet mit vornehmem Auftreten und leiser Autorität nicht nur sechs Standorte in Frankreich, England, Korea und Österreich, sondern auch das Werk weltberühmter Kunstschaffender wie Valie Export, Anselm Kiefer, Elizabeth Peyton und Georg Baselitz, seit 2019 auch Martha Jungwirth. Die Liste derer, die er repräsentiert, umfasst aufstrebende junge Kunstschaffende ebenso wie längst etablierte. Zudem verkauft er die Erzeugnisse wichtiger, bereits verstorbener Künstler wie Roy Lichtenstein und Andy Warhol, und er betreut eine Reihe von Nachlässen wie jene von Joseph Beuys und Donald Judd. Die Londoner Zeitschrift „ArtReview“ reiht ihn, als einzigen Österreicher, regelmäßig unter die „Power 100“ – die hundert bedeutendsten Personen in der internationalen  Kunstwelt.

Mit einem rund 140-köpfigen Team organisiert Ropac Ausstellungen und Transaktionen, vermittelt zwischen Kreativen und Sammlern, präsentiert seine Galerie auf Kunstmessen. Verärgert reagiert er übrigens – bestens befreundet mit Bianca Jagger, gut bekannt und oft fotografiert an der Seite diverser Hollywoodstars –  nur auf eine Frage: ob Society-Tauglichkeit auch eine Vorbedingung für seinen Job sei. Natürlich nicht: Das werde in Österreich leider stets überbewertet, winkt er ab, in Paris etwa „gäbe es diese Betonung nicht“. In Ropacs Büro im Obergeschoß der Galerie, fern des Zuschauerzustroms in den unteren Räumen, fand das folgende Gespräch statt.

profil: Reden Sie gerne über Geld?
Thaddaeus Ropac: Eigentlich nicht. Ich versuche das zu vermeiden.
 
profil: Ist das für einen Kunsthändler nicht geschäftsschädigend?
Ropac: Was ein Werk kostet, gebe ich natürlich bekannt. Aber der Rest meines Jobs ist mir lieber.
 
profil: Sie haben in einem „Spiegel“-Interview vor ein paar Jahren behauptet, Geld sei „banal“. 

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