GLÜCKSRITTER: Cuzin Toma und Adria Purcarescu in "Der Schatz"

Unter der Erde

Mit Corneliu Porumboius Alltagsabenteuerfilm „Der Schatz“ stellt sich ein neuer Wiener Filmverleih vor.

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Filmgarten, das klingt nach später Kinoblüte und romantischer Hingabe an die siebente Kunst. Tatsächlich heißt ein neuer Wiener Filmverleih so, eine One-Man-Initiative, die sich als Plattform für „kontemplativ-kontemporäres Kino“ versteht. Nur drei bis fünf Werke jährlich wolle er vorerst in die Kinos bringen, sagt Pierre-Emmanuel Finzi – übersehene Arthouse- und Nischenfilme. „Der Schatz“ macht nun den Anfang: ein Film des renommierten rumänischen Regisseurs Corneliu Porumboiu („Police, Adjective“), ein würdiger Kickstarter der ambitionierten Filmgärtnerei.

Eine Schatzsuche findet in Porumboius viertem Spielfilm statt: Der hochverschuldete Nachbar des Helden berichtet von einem Familienvermögen, das der Urgroßvater einst im Garten seines Hauses vergraben habe. Die Männer heuern einen Experten mit Metalldetektor an, der tatsächlich etwas findet; im Rahmen nächtlicher Grabungen flammen Konflikte auf, schließlich werden die Glücksjäger noch von der Polizei behelligt. Sind sie dabei, registrierpflichtiges Kulturerbe zu veräußern? Porumboiu inszeniert stoisch-tonlos, mischt sorgsam Soziales, Politisches, Historisches und Märchenhaftes. Er skizziert das prekäre Leben seiner Figuren, ihre finanzielle Not und den Druck am Arbeitsplatz. Das Finale gestaltet sich unerwartet. Ein großer Film.

Stefan   Grissemann

Stefan Grissemann

leitet seit 2002 das Kulturressort des profil. Freut sich über befremdliche Kunst, anstrengende Musik und waghalsige Filme.