Viennale 2014: Retrospektive zu John Ford ab 16.10. im Filmmuseum

Viennale 2014: Retrospektive zu John Ford ab 16.10. im Filmmuseum

Das Filmmuseum zeigt im Rahmen des Filmfestivals Viennale heuer knapp 50 Filme des legendären US-Regisseurs und vierfachen Oscar-Preisträgers John Ford. Den Auftakt macht sein spätes Werk "The Sun Shines Bright" am 16.10.

Am Donnerstag (16.10) und damit bereits eine Woche vor Beginn der Viennale startet die traditionell begleitende Retrospektive im Österreichischen Filmmuseum - und diese könnte in diesem Jahr nicht prominenter angelegt sein. John Ford ist nicht nur der einzige Filmemacher, der vier Regie-Oscars erhielt, er steht auch wie kein anderer stellvertretend für das amerikanische Kino - mit Einflüssen bis heute.

Knapp 50 Beiträge seines insgesamt etwa 140 Filme umfassenden Werks stehen bis 30. November am Programm und zeigen Fords Schaffen aus allen Phasen, von der ersten eigenen Regiearbeit "Bucking Broadway" (1917) über seine Oscar-prämierten Filme wie "The Informer" (1935) oder "Früchte des Zorns" (1940) bis hin zu einer Unzahl von Western (von "Stagecoach" bis "Rio Grande"), für die er große Berühmtheit erlangte.

An Amerika abgearbeitet
Den Auftakt der Schau bildet "The Sun Shines Bright" aus dem Jahr 1953, einem späteren Werk aus der über 50-jährigen Karriere und dem erklärten Lieblingsfilm von Ford, der sich laut Filmmuseum damals bereits "im Stadium scherzender Reife und serener Heiterkeit" befand. Ford habe sich in seiner Laufbahn an dem Projekt abgearbeitet, die Vereinigten Staaten von Amerika zu erzählen, wird im Programmtext erläutert - und das in einer zutiefst persönlichen wie populären Form.

Romantiker und Dialektiker
Ford, für das Filmmuseum "Romantiker und Dialektiker zugleich", schilderte die Ideale und Rituale der USA mit patriotischer Leidenschaft (trotz seiner irischen Abstammung) und kritischer Skepsis, er sah zugleich die Utopie und ihren künftigen Zerfall, er identifizierte sich stets mit den "einfachen Leuten" und fand im Western, quasi dem US-Heimatfilm, ein kompatibles Format, um seine gegensätzlichen Perspektiven auf die Entwicklung der USA zu erschließen.

Der Regisseur, der privat an einem schweren Alkoholproblem litt, war in der Arbeit ein Perfektionist, sah sich als Handwerker und nicht als Künstler, machte den B-Movie-Schauspieler John Wayne zum großen Star und prägte das US-Kino wie kein anderer. Steven Spielberg und Orson Welles waren bei weitem nicht die einzigen, die Ford als wesentlichen Einfluss nannten. Und Peter Bogdanovich widmete ihm 1971 ein ausführliches Porträt, das ebenfalls in der Retro zu sehen ist.

"Zeitlos wie aktuell"
Seine Relevanz heute ist nicht nur aus filmhistorischer Sicht unbestritten: Ford schuf "Bilder einer Nation, in denen sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft überlagern" und sei, so das Filmmuseum, in seinem ständigen Ausloten von Zivilisation und Demokratie "so zeitlos wie aktuell". Dieser so zentrale Bezugspunkt des US-Kinos lässt sich nun in Wien ausführlich entdecken - und das schon vor Viennale-Start am 23. Oktober.

John Ford im Filmmuseum: 16. Oktober bis 30. November 2014

(APA/Red.)