Portrait des Musikers Voodoo Jürgens
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Voodoo Jürgens veröffentlicht ein neues Album. Es heißt „Gschnas“, doch zum Feiern ist ihm nicht zumute. Denn die Zweifel sind stark. Das ändert nichts daran, dass diese Platte ein Meisterwerk ist.

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Frohe Botschaften sind zu verkünden: Eine Heizung wurde installiert. Die Lebensqualität hat sich in dem Probe- und Herumhängeraum in Gürtelnähe, in dem Voodoo Jürgens Mitte Februar zum Interview empfängt, dadurch wohl erheblich verbessert. Bis dahin waren die Jahreszeiten in dem Etablissement doch sehr direkt erfahrbar. Aber die Prioritäten aus der unbeheizten Lebensphase bleiben bestehen, man ist immer noch nicht zum Aufwärmen da. Im Aufnahmestudio links hinten herrschen aufgeräumte, fast schon wohnliche Verhältnisse, vorn dagegen regieren Krimskrams und WG-Küchen-Romantik. Voodoo Jürgens ist stark verschnupft und auf Rosskur. Ein Likörchen möge ihm über den Nachmittag helfen, die Zigarette lässt sich ohnehin nicht vermeiden. Der Künstler trägt die Haare lässig, den Blick müde und einen Anzug in leicht zerknittertem Nadelstreif. Der Mann lebt die Rolle, die er sich selbst auf den Leib geschrieben hat. Das führt natürlich immer wieder auch zu Missverständnissen. Wer ist Voodoo Jürgens – und wie viele?

Voodoo Jprgens sitzt in der Küche seines Proberaums
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In der neueren Wiener Schule des beislbasierten Intensivrauchens hat sich Voodoo Jürgens schon vor zehn Jahren als wichtiger Charakterdarsteller hervorgetan und dem österreichischen Dialekt-Chanson neue Wege erschlossen. Das wurde von Publikum und Presse wohlwollend aufgenommen, sein Debütalbum „Ansa Woar“ aus dem Jahr 2016 stand tatsächlich auf Platz eins der österreichischen Albumcharts, „’S klane Glücksspiel“ von 2019 war dann „Album des Jahres“ beim Amadeus Award, „Wie die Nocht noch jung wor“ zementierte 2022 die Dauerhaftigkeit und künstlerische Bedeutung des Singer-Songwriters, der parallel zum rasenden Wiener Pop-Erfolg à la Wanda dann doch lieber weiterhin dem Underground-Spirit verbunden blieb.

Qualtinger, Artmann, Voodoo

Der Dokumentarfilm „Vienna Calling“ aus dem Jahr 2023 zeigt Voodoo Jürgens in seinem Element als Grenzgänger zwischen Headliner-Gigs beim Wiener Popfest und No-Budget-Shows im Sexclub, als Kampfraucher, Dopplertrinker und Ruhepol einer Wiener Szene, die sich da doch ein wenig ziellos in Experiment und Rollenspiel ergeht. Vergleichsweise klar die Rolle von Voodoo Jürgens, er trägt das Lokalkolorit als linker Beislpoet zum Teil ganz schön dick auf – ein wichtiger Nebenstrang seiner Kunst findet übrigens in der Malerei statt – und hievt, nicht ganz unähnlich seinem Freund und Szenekollegen Nino aus Wien, das, was an der alten Zeit tatsächlich gut war, mit Gewinn in die Gegenwart. 

Sebastian Hofer

Sebastian Hofer

schreibt seit 2002 im profil über Gesellschaft und Popkultur. Ist seit 2020 Textchef und seit 2025 stellvertretender Chefredakteur dieses Magazins.