Dietmar Feichtinger
Dietmar Feichtinger

© APA/AFP

Architektur gegen Terror
06/10/2017

"Wie verändert die Angst vor dem Terror die Städte, Herr Feichtinger?"

Architekt Dietmar Feichtinger über die Sicherheit beim Pariser Eiffelturm und schusssicheres Glas.

profil: Sie haben den Wettbewerb für die Gestaltung des Sicherheitszauns um den Pariser Eiffelturm gewonnen. Was haben Sie dort geplant? Dietmar Feichtinger: Entlang der Verkehrsachsen werden wir 200 Meter lange Glaswände aufstellen, seitlich zu den Gärten Metallzäune, in deren Gestaltung ich die Silhouette des Eiffelturms aufnehme.

profil: Damit wird aber die historische Achse von der gegenüberliegenden Seine-Seite zum Parc du Champ-de-Mars unterbrochen. Feichtinger: Als Sichtachse bleibt sie erhalten, das ist einer der Gründe für die Glaswand. Wir organisieren aber auch den Zugang zum Eiffelturm neu. Heute sind Touristen, die Schlange stehen, um in einem Provisorium kontrolliert zu werden, dem Verkehr massiv ausgesetzt. In Zukunft werden sie seitlich von den historischen Gärten aus zum Eiffelturm gelangen.

profil: Seit wann gibt es dieses Provisorium? Feichtinger: Zur Fußball-Europameisterschaft 2016 wurden Bauzaun und Container für die Taschenkontrolle aufgestellt. Der Bauzaun ist instabil, die Einrichtungen sind provisorisch. Da es aber laut Polizei Anschlagsdrohungen gibt, kann niemand den Abbau der temporären Absperrung verantworten.

profil: Bei terroristischen Sicherheitsvorkehrungen denkt man eher an Betonpoller oder Metallzäune. Warum Glas? Feichtinger: Es handelt sich um schusssicheres Glas. Eine Bedrohung sind vorbeifahrende Fahrzeuge, aus denen jemand schießen könnte, oder Laster, die auf die Menge zufahren. Deshalb installieren wir auch Poller.

profil: Wie verändert sich das Aussehen einer Stadt durch die Angst vor Terroranschlägen? Feichtinger: Sehr stark, Architektur ist ein Spiegel der Gesellschaft. Wir planen auch Schulen in Frankreich. Pädophilie und Terror sind dabei immer Themen. Eine offene, ohne Kontrolle zugängliche Schule ist in Frankreich heute undenkbar.

profil: Wie gehen Sie als Architekt damit um? Feichtinger: Bei einem Projekt in Kopenhagen ging ich, von der U-Bahn kommend, durch einen offenen Schulhof, in dem die Kinder spielten, ohne Zaun. Mir war das fremd. Wenn man die Umwelt so unmittelbar erleben kann, ist das natürlich besser. Aber die Realität in Frankreich sieht anders aus, und Architektur muss sich mit den tatsächlichen Gegebenheiten auseinandersetzen.

profil: Ist das Risikobewusstsein in Frankreich stärker ausgeprägt als im Rest Europas? Feichtinger: An die Soldaten auf der Straße, an das Öffnen der Taschen vor jedem Geschäft haben sich die Franzosen gewöhnt. Mein Sohn, der zurzeit in Österreich lebt, hat sich gewundert, wie anders dies hierzulande gehandhabt wird. Ich hoffe, dass wir in Zukunft Bedingungen schaffen können, die den Terror in den Hintergrund drängen. Das ist ein zentrales Ziel unserer Zivilgesellschaft.

Dietmar Feichtinger, 55, ist ein in Paris arbeitender österreichischer Architekt. Er baute Schulen, Schwimmbäder, Büro- und Wohngebäude, aber auch Brücken in Frankreich. Nun soll der Eiffelturm zum Schutz vor Anschlägen hinter eine drei Meter hohe Glaswand gestellt werden. Geplante Bauzeit: zehn Monate.

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