Festwochen-Intendant Milo Rau bei der öffentlichen Debatte darüber, ob man Peter Thiel beim Festival sprechen lassen sollte, im Wiener Odeon-Theater
Armageddon abgesagt: So lief die Festwochen-Ausladung Peter Thiels
Milo Rau, Intendant der Wiener Festwochen, liebt theatralische Tribunale, Kongresse und Prozesse. Sie sind Teil seiner Arbeit als Regisseur und seit Raus Amtsantritt in Wien 2024 auch eine tragende Komponente seines Festivalprogramms: Im Rahmen para-juristischer Inszenierungen lässt er auf offener Bühne virulente Themen und mediale „Aufreger“ verhandeln, gerne von Menschen mit möglichst starken, aber sehr unterschiedlichen, nicht selten krausen Thesen – je konträrer die Meinungen, desto turbulenter die Diskussion. Ex-AfD-Ideologin Frauke Petry war 2024 auch schon bei Milo Rau zu Gast.
Heuer nun waren er und sein Dramaturgie-Team auf die Idee gekommen, den schwerreichen Antidemokraten Peter Thiel einzuladen, um seinen religionspolitischen Extremismus öffentlich zur Debatte zu stellen, passend zum Festivalgeneralthema 2026 („Republic of Gods“). Und in dieser Causa stieß Rau erstmals an die Grenzen seiner Konfrontationslust. Wegen des starken Gegenwinds, der ihm in den sozialen Medien und, entscheidender noch, vonseiten einiger Kunstschaffender seines Festivals entgegenschlug – wuchs sich die Programmidee zur Bedrohung aus: Was, wenn kulturelle Gatekeeper und die eigene Klientel beschließen, die Festwochen wegen Thiel zu boykottieren?
Unmut der Kulturstadträtin
Auch Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler demonstrierte ihren Unmut. Sie richtete dem Intendanten über die Medien aus, dass sie die Thiel-Einladung höchst problematisch finde; sie unterstellte Rau „politische Naivität“ und sah dessen Programm von „oberflächlicher Aufregung“ überschattet.
Und so organisierte Rau in höchster Not, wohl schon auf der Suche nach einer Exit-Strategie, noch eine Debatte zur Debatte, ließ im Odeon-Theater am vergangenen Freitagnachmittag öffentlich diskutieren, ob er die selbst beschlossene und von ihm (auch im profil-Interview) wortreich verteidigte Thiel-Diskussion im Programm behalten sollte. Dort aber erhielt er in dieser Frage überraschenderweise zunächst nur – vorsichtig bis unumschränkt – positive Rückmeldungen, sodass man vom Podium aus schließlich fast flehentlich um starke Gegenmeinungen aus dem Publikum bat.