<small><i>Elfriede Hammerl</i></small>
Erste Dame

Zuständig sein für Mantel, Tee und Honigbonbons – ein Erfolgsrezept?

Frankreich hat einen neuen Präsidenten und mit ihm eine neue Première Dame. Die Zeitungen und Zeitschriften rühmen Valérie Trierweiler, die Lebensgefährtin François Hollandes, voll Überschwang. Elegant sei sie, attraktiv, diskret, energisch und selbstbewusst. Unter ihrem Einfluss habe sich Hollande vom dicklichen, jovialen Provinzpolitiker zum smarten Staatsmann gewandelt.

Das alte Lied: Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau.
Mme Trierweiler ist allerdings, wird signalisiert, die moderne Version einer solchen (deswegen die Vokabel selbstbewusst, die in keiner Beschreibung von ihr fehlt), und das bedeutet, dass sie bald wieder als Journalistin arbeiten will, nachdem sie im Wahlkampf – so beschreibt es zumindest die französische Zeitung „Libération“ – dafür zuständig war, dass Hollande Schal, Mantel, Tee und Honigbonbons immer in Reichweite hatte.

Wie das gehen soll, ist freilich nicht ganz klar, denn Erste Dame und politische Journalistin, das sind schwer zu vereinbarende Rollen. Ehe Trierweiler sich Hollande zuwandte, war sie Innenpolitik-Redakteurin bei der Wochenzeitschrift „Paris Match“ und hatte ein eigenes, ebenfalls politisches Magazin bei einem kleinen Fernsehsender. Als ihre Beziehung zu Hollande öffentlich wurde, musste sie die politische Berichterstattung aufgeben. Das war aus Gründen des journalistischen Anstands notwendig. Leichtgefallen sei ihr der Verzicht jedoch nicht, sagte sie in einem Interview, schließlich habe sie ihr halbes Leben dem politischen Journalismus gewidmet.

Die Wahl Hollandes zum Präsidenten verstärkt Trierweilers Dilemma. Als Première Dame Frankreichs hat sie weder den Spielraum noch die Glaubwürdigkeit einer unabhängigen politischen Berichterstatterin, Interviewerin oder Kommentatorin. Thematisiert wird dieses Dilemma in den Artikeln über Valérie Trierweiler freilich kaum. Vielmehr wird ihre Geschichte als reine Erfolgsstory verkauft: Sie habe Hollande mit ganzem Einsatz unterstützt und werde belohnt, indem er Präsident wird.

(Trierweiler hat geschafft, was Hollandes früherer Lebensgefährtin Ségolène ­Royal verwehrt blieb: der Einzug in den Élysée, schrieb der „Stern“ gar. Royal wollte allerdings nicht Präsidenten-Gefährtin, sondern Präsidentin werden. Ein nicht unbedeutender Unterschied. Doch vielleicht meint es der „Stern“ ja genau so: Trierweiler zieht in den Élysée ein, weil sie im Unterschied zu Royal weiß, wo der angemessene Platz für sie ist.)
Jetzt darf die Erfolgreiche wieder in ihren Beruf zurückkehren. Irgendwie. Sie müsse arbeiten, denn sie habe schließlich eine Familie zu ernähren, wird Trierweiler, Mutter dreier Söhne, zitiert. Für ihre Kinder aufzukommen sei, so sagte sie angeblich in einem Interview, weder die Aufgabe Hollandes noch die des Staats.

Applaus, Applaus. So haben wir sie gern, die selbst­bewusste Frau von heute: Legt ihren Beruf auf Eis, stellt sich diskret ganz in den Dienst seiner Karriere, kümmert sich um seinen Schal, seine Honigbonbons und seine Wählerstimmen (eine Charmeoffensive nannte das die „Süddeutsche“) und liegt trotzdem weder ihm noch dem Staat jemals auf der Tasche. Wie sie das macht? Ihre Sache. Wozu ist sie ­gebildet und selbstbewusst?

Damit wir uns nicht missverstehen: Nicht um Frau Trierweilers Schicksal oder Befindlichkeit geht es mir, sondern um die Art und Weise, wie Frau Trierweiler in den Medien porträtiert wird. Da wird in rosigem Pastell das altmodische Bild einer Frau gepinselt, die darin aufgeht, unter löblicher Zurücknahme der eigenen Person ihren Mann zu manipulieren, und dann wird so getan, als sei dieses Frauenbild rasend zeitgemäß, sobald es inkludiert, dass die Frau trotzdem allein für ihren Lebensunterhalt und den ­ihrer Kinder verantwortlich ist.

Ich bin wirklich die Letzte, die für das Modell der Versorgungsehe plädiert, aber in Fällen, wo einer oder eine sich ganz in den Dienst der Partnerin oder des Partners stellt, ist ein bisschen Versorgung doch wohl angebracht.
Es sei nicht Aufgabe des Staats, ihre Kinder zu finanzieren, wird Mme Trierweiler zitiert. Eh nicht. Aber der französische Staat zahlt seinem Präsidenten ein anständiges Gehalt, davon wird er der Frau, die ihn angeblich „gemacht“ hat, doch was abgeben können? (Abgesehen davon, dass die Kinder auch einen Vater haben, der für ihr Wohlergehen mitverantwortlich sein sollte.)

Ja, Abhängigkeit ist keine Lösung, aber welche Art von Unabhängigkeit wird hier propagiert?

Wenn uns gefällt, dass Frau Trierweiler den Lebensunterhalt für sich und ihre Söhne selber verdienen will, dann muss uns missfallen, dass sie ihre berufliche Existenz zugunsten Hollandes schwer gefährdet.
Wenn wir hingegen gut finden, dass ihr Hollandes Karriere wichtiger ist als ihre berufliche Existenz, warum sollen wir dann gutheißen, dass es ihn nix angeht, wovon sie lebt?

Frau Trierweiler weiß hoffentlich, was sie tut. Wir hingegen tun gut daran, wenn wir sie nicht als Role Model betrachten. Für den Geliebten den Beruf zu vernachlässigen, um anschließend stolz darauf zu bestehen, dass er uns selbstverständlich nichts schuldig sei, ist nicht wirklich selbstbewusst, sondern … na ja, sagen wir: gefährlich.

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