Elfriede Hammerl: Fette Sau

Elfriede Hammerl: Fette Sau

Gibt’s das, dass einer über so was Nebensächliches wie seine Frauenverachtung stolpert?

Also, zunächst einmal ist es megapeinlich, dass Herr Trump möglicherweise über so was Nebensächliches wie seine Frauenverachtung stolpert. Und das angesichts wirklich wichtiger Probleme, die uns allen auf der Seele brennen! Na gut, dort brennen sie bei den meisten die meiste Zeit relativ unbeachtet vor sich hin, aber trotzdem. Und, ja, eh nicht, dass es uns relevante Erkenntnisse bescheren würde, wenn man wichtige Probleme anhand von Trumps Ansagen abhandelte, aber dennoch. Dass man sich ausgerechnet über so was Irrelevantes aufregt wie darüber, dass er sich mit sexuellen Übergriffen brüstet! Der Mann hat doch schon viel ärgere Sachen gesagt! Darüber sollte man sich aufregen! Darüber sollte man sich vor allem dann aufregen, wenn gerade sein Sexismus zur Debatte steht, weil nämlich alles, alles ärger ist als ein paar sexistische Ausrutscher.

Was heißt denn eigentlich überhaupt Ausrutscher? Dem Mann wird eine private Unterhaltung unter Männern vorgeworfen, wie sie halt unter Männern üblich ist. Eine Sportlergarderobe ist kein Ponyhof. Außer sie gehört zu einem Reitstall, aber selbst dann. Und Frauen lassen doch genauso die Sau raus, wenn sie unter sich sind, worüber sollten sie auch reden, außer darüber, dass frau, wenn sie reich und mächtig genug ist, jedem Mannbild ungestraft ans Gemächt greifen kann!


Was für ein Land, in dem einer vielleicht nicht gewählt werden wird, nur, weil er findet, dass man sich als betuchter Boss an Pussys bedienen darf, während eine selbstsüchtige Bissgurn, die bloß kandidiert, um Präsidentin zu werden, möglicherweise den Sieg davonträgt.

Und apropos Sau: Ja, Herr Trump hat die TV-Moderatorin Rosie O’Donnell gar nicht privat, sondern ganz öffentlich als fette Sau bezeichnet und auch sonst weibliche Mitmenschen immer wieder ungeniert vor einem Millionenpublikum taxiert und abqualifiziert wie Fleisch, das seinen Konsumansprüchen genügen oder nicht genügen würde. Aber so ist er eben: undiplomatisch und geradeheraus, das hat ja doch fast etwas Erfrischendes. Man kann es mit der Political Correctness auch übertreiben. Wie verlogen ist das denn, wenn wir nervige Frauenzimmer nicht mehr als das bezeichnen dürfen, was sie sind, nämlich schiache Schlampen?

Wie gesagt: merkwürdiger Hype um Belanglosigkeiten. Was für ein Land, in dem einer vielleicht nicht gewählt werden wird, nur, weil er findet, dass man sich als betuchter Boss an Pussys bedienen darf, während eine selbstsüchtige Bissgurn, die bloß kandidiert, um Präsidentin zu werden, möglicherweise den Sieg davonträgt. Das ist nämlich das Gwirks mit Hillary: dass sie es für sich tut. Aus widerlichem Ehrgeiz. Aus Geltungssucht. Aus Eitelkeit. Männer wollen was bewegen und gestalten, nicht für sich, sondern für die Gesellschaft. Wie Donald Trump. Aber wenn Frauen an die Macht kommen, dann kommt bloß eine Maggie Thatcher heraus, hart, schrill, unsympathisch. Zwar steht Thatchers Privatisierungspolitik in diametralem Gegensatz zu Clintons sozialpolitischem Engagement, aber das ist vollkommen egal, weil das der ultimative Trumpf ist, mit dem jegliches Machtstreben von Frauen seit Jahrzehnten abgeschmettert wird: Ist das euer Ziel – eine Frau wie Maggie Thatcher?

Dabei geht es nicht so sehr um inhaltliche Vergleiche (wie denn auch, wenn sich Frauen, siehe oben, eh nur aus intellektueller Putzsucht mit Inhalten schmücken), sondern um die wirklich wesentlichen Merkmale: Frisur, Figur, Stimme, Styling, Handtasche, Erotikfaktor.


Das FührungsGen ist nun einmal ans Y-Chromosom gekoppelt, da fährt die biologistische Dampfwalze drüber.

Und in dieser Hinsicht kriegen machtstrebende Frauen häufig die gleichen Noten. Frisur: gusseisern (also lächerlich), Figur: lässt entweder zu wünschen übrig oder auf krankhafte Disziplin schließen (wie bei Ursula von der Leyen), Stimme: schrill, Styling: einfallslos und/oder zu kostspielig, Handtasche: ein Lacherfolg, Erotikfaktor: null.

Das muss man verstehen: Wir wollen von Menschen mit Führungsqualitäten geführt werden. Leadership verträgt sich nicht mit Weiblichkeit, also mit lieblichem Aussehen, lieblicher Stimme, weicher Nachgiebigkeit, verführerischer Erotik und allem, was sonst noch eine
akzeptable Frau ausmacht. Deshalb ist eine Frau, die mit Führungsqualitäten imponieren will, auf keinen Fall erfreulich anzusehen und hat auf jeden Fall eine abstoßende Ausstrahlung sowie eine ekelhafte Stimme.

Bestenfalls tolerieren wir sie in der Mutti-Rolle, wie Angela Merkel. Muttis mag man einerseits, andererseits sehen wir sie aber doch als etwas beschränkt an, als fantasielos und ohne Visionen (im Gegensatz zu Horst Seehofer oder Trump). Aber die Mutti-Rolle ist immerhin was halbwegs Natürliches, während ansonsten Führungsansprüche bei Frauen, feministisches Gelaber hin, politisch korrektes Geheuchel her, unnatürlich sind. Das FührungsGen ist nun einmal ans Y-Chromosom gekoppelt, da fährt die biologistische Dampfwalze drüber.

Ja, ganz recht, alle diese Einsichten sind mir nicht von selber gekommen, dazu haben mir Zeitungskommentare, Postings und gescheite Menschen in TV-Talkrunden (zum Beispiel bei „Im Zentrum“ am 16. Oktober) verholfen. Das Informations- und Bildungsangebot ist ja heutzutage enorm. Was dabei herauskommt, ist aber doch erstaunlich, sagen wir es höflich: altmodisch.