Elfriede Hammerl: Gebärmutterhandel

Elfriede Hammerl: Gebärmutterhandel

Leihmutterschaft: Fruchtbare Frau verhilft kinderloser Frau zu einem Baby. Ist es so einfach? Nein, eben nicht.

Machen wir uns nichts vor, Leihmutter sein ist ein beschissener Job. Oder vielmehr ist es nicht der Job, der beschissen wird, sondern die Leihmutter. Und in gewisser Weise auch das Baby. Ja, brutale Worte, aber wahr. Vermittlungsagenturen stellen den Deal gerne als gegenseitige gute Tat dar. Arme Frau verhilft kinderloser Frau zu Wunschkind. Und kinderlose Frau verhilft armer Frau dafür zu ­einer bescheidenen materiellen Existenz. Aber so einfach verhält es sich eben nicht. Im eigenen Körper ein Kind heranwachsen zu lassen, es auszutragen und zur Welt zu bringen, ist etwas anderes als für eine andere Person einen Koffer ein Stück des Weges mit sich zu schleppen. Und selbstverständlich boomt das Geschäft nur dort, wo bittere Not Frauen dazu treibt, ihre Reproduktionsfähigkeit zu vermarkten – von gegenseitiger Hilfe auf Augenhöhe kann nicht die Rede sein. Leihmütter riskieren ihre physische und psychische Gesundheit, sie verzichten auf ihre Persönlichkeitsrechte und überlassen sich für die Dauer der Schwangerschaft mit Haut und Haaren ihren Auftraggebern, um am Ende ein Kind zu gebären, das sie abgeben sollen wie eine Ware. Das wäre sogar dann eine fragwürdige Angelegenheit, wenn die Leihmütter dafür mit viel Geld entlohnt würden. Tatsächlich jedoch kriegen sie einen Bettel, jedenfalls im Vergleich zu dem, was die Vermittlungsagenturen einstreifen, und das wiederum passt perfekt zu einem System der konsequenten Ausbeutung des Ersatzteillagers Mensch, zu dem die Unterprivilegierten zunehmend werden.

Leihmutterschaft ist in Österreich – noch – verboten, in vielen Ländern jedoch zu unterschiedlichen Bedingungen erlaubt. Nun will das Ständige Büro der Haager Konferenz für Internationales Privatrecht (eine zwischenstaatliche Weltorganisation, die das Privatrecht vereinheitlichen soll) eine Regelung der Leihmutterschaft vorbereiten, samt Festlegung von Mindeststandards. Was eine Legalisierung der Leihmutterschaft auf internationaler Ebene bedeuten würde.

Leihmutterschaft gehöre aber nicht anerkannt und ­geregelt, sondern bekämpft wie einst die Sklaverei, findet der französische Verein Collectif pour le Respect de la Personne (CoRP) und startet dieser Tage eine europaweite Aktion gegen die beabsichtigte Legalisierung.

Die Praxis der Leihmutterschaft stellt, argumentiert CoRP, prinzipiell eine Verletzung grundlegender Rechte dar, unter anderem deswegen:Die Leihmutter liefert ihren Körper und ihre Gesundheit der Kontrolle durch AuftraggeberInnen und/oder Agenturen aus. Diese erwerben ein Gebrauchsrecht auf ihre Person und ihren Körper. Eine solche Aneigung eines Menschen durch andere kommt der Sklaverei gleich.


Die biologischen Abläufe im Körper der Leihmutter werden zur Quelle eines finanziellen Gewinns. Das widerspricht dem Übereinkommen des Europarates zum Schutz der Menschenrechte und der Menschenwürde, wo es ausdrücklich heißt: Der menschliche Körper und Teile davon dürfen als solche nicht zur Erzielung eines finanziellen Gewinns verwendet werden.

Das Kind, das die Leihmutter zur Welt bringt, wird ge- und behandelt wie eine Ware, die internationale Kinderrechtskonvention verbietet jedoch jede Handlung und jedes Geschäft, womit ein Kind gegen Bezahlung oder für eine andere Gegenleistung von einer Person oder Personengruppe an eine andere übergeben wird. Außerdem steht Leihmutterschaft im Gegensatz zum Übereinkommen zur internationalen Adoption, das verhindern soll, dass Angehörige reicher Länder ihre finanzielle Überlegenheit benützen, um sich die Reproduktionskapazität ärmerer Bevölkerungen anzueignen. Zahlungen/Gegenleistungen an die biologischen Eltern eines Adoptivkindes sind daher verboten. Es wäre paradox, den Handel mit Kindern einerseits im Adoptionsrecht zu unterbinden, um auf der anderen Seite die entgeltliche Herstellung von Kindern zu legalisieren.

CoRP verlangt ein internationales Übereinkommen zur Abschaffung der Leihmutterschaft im Rahmen der UN. Einwände dagegen sind abzusehen, sie werden darauf hinauslaufen, dass es besser sei, ein mehr oder weniger etabliertes Faktum pragmatisch zu regulieren, als mit Verboten illegale Machenschaften voranzutreiben. Aber wohin bringt uns die ständige Kapitulation vor, sagen wir mal: ethisch nicht erwünschten Zeiterscheinungen?

Die Reproduktionsmedizin hat sich einen gigantischen Markt erschlossen und dehnt ihn immer weiter aus. Eine Legalisierung und Reglementierung der Leihmutterschaft würde, so ist zu befürchten, weniger dem Schutz von Frauen und Kindern dienen als vielmehr den Geschäftsinteressen der Fortpflanzungsindustrie.

Ich übersehe nicht das Leid ungewollt kinderloser Menschen, aber rechtfertigt es die Kommerzialisierung menschlicher Individuen und den Handel mit ihnen? Leihmutterschaft ist in der überwiegenden Zahl der Fälle (ausgenommen die seltenen Male, wo es um einen Liebesdienst in der Familie geht) eine Form von Mütter- und Kinderhandel, um diese moralische Implikation kommen wir nicht herum. Gesetzesvorbereitungen ohne einen öffentlichen Diskurs darüber sind beunruhigend.

elfriede.hammerl@profil.at

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