<small><i>Elfriede Hammerl</i></small>
Häuslsteuer

Ein Eigenheim ist noch kein Vermögen. Und Neid ist eine Triebfeder des Wettbewerbs.

Es sollte zu denken geben, dass die Forderung, die Häusl­bauer zu besteuern, nicht vom mittellosen Proletariat kommt. Das Proletariat (das heutzutage nicht mehr so heißt, sondern untere Mittelschicht) strebt ja selber nach dem Häuslbau, weil es im Wohnungseigentum eine gewisse Unabhängigkeit von schwankenden Mieten sieht. Nicht zu Unrecht. Wer, zumal im städtischen Bereich, halbwegs schön zur Miete wohnen will, muss Monat für Monat ziemlich viel Kohle lockermachen und überdies damit rechnen, dass sich diese Ausgabe fürs Wohnen laufend erhöht.

Ein kleines Stück Grund hingegen, draußen vor der Stadt, in einer gerade eben umgewidmeten Brach- und Ödlandzone, ist vergleichsweise preiswert, und das Häusl darauf, teils darlehenfinanziert, teils durch Selberzupacken entstanden, einigermaßen leistbar, so man zuzupacken versteht und gewillt ist, einen nicht unbeträchtlichen Teil seines Arbeitslebens hindurch Kreditraten abzustottern. Die sind zwar auch nicht niedrig, aber wenigstens ist das Geld nicht einfach ausgegeben und unwiederbringlich dahin.

Viele Häuslbauer leitet die Hoffnung, irgendwann einmal, schuldenfrei, einigermaßen kostengünstig wohnen zu können. Das ist keine unvernünftige Überlegung, wenn man bedenkt, dass die österreichische Durchschnittspension nur unmerklich höher ist als die durchschnittliche Miete für eine Zwei- bis Dreizimmerwohnung. Das Häuslbauen ist demnach etwas für Risikoscheue, für Vorsichtige, für SicherheitsdenkerInnen, für solche, die rechnen und nachrechnen, für die Braven und Angepassten, kurzum für die kleinen Leute.

Deswegen wird es von allen verabscheut, die sich interessanteren Bevölkerungsgruppen zurechnen, zum Beispiel von schicken jungen gut verdienenden Menschen, die locker mit ihrem Geld umgehen, weil sie darauf vertrauen, dass sie erstens immer gut verdienen werden und zweitens, wenn es denn wirklich eng werden sollte, auf die Reserven ihrer sparsamen, kleingeistigen (Häuslbauer-)Eltern zu­greifen können. Oder auch von etablierten älteren Gut­verdienern, die mit Fug und Recht darauf bauen, dass hohe Mieten für sie nie ein Problem darstellen werden, ganz ­abgesehen davon, dass sie zwar nicht über ein Häusl im Speck­gürtel, dafür aber über ein Landhaus im Istrischen verfügen.

Trotzdem. Viel zu niedrige Einheitswerte! Lächerlich geringe Grundsteuern!
Das hat was für sich, wenn man Immobilien- und Grundbesitz ins Auge fasst, der nicht der Befriedigung des legitimen Basisbedürfnisses dient, ein Dach überm Kopf und es darunter halbwegs behaglich zu haben. Warum aber in fast jedem Zeitungskommentar darauf bestanden wird, dass auch die Häuslbauer zur Kasse gebeten werden müssen, ist schwer verständlich. Wem wäre gedient, wenn sich die Häuslbauer ihre Häusln nicht mehr leisten könnten? Und welche Art von sozialem Frieden schwebt uns vor, wenn wir sie daraus vertreiben?

Die Häuslbauer taugen nicht zum Feindbild der Zukurzgekommenen, weil sie mehr oder weniger identisch sind mit allen, die es trotz Fleiß nie zu bemerkenswertem Überfluss bringen werden. Der natürliche Gegensatz zu denen, die sich ständig fragen müssen, ob sie sich auf dem grünen Zweig, auf den sie es geschafft haben, auch halten können, sind nicht die Häuslbauer, sondern alle, die die Häuslbauer verachten, weil sie selber sich Sorglosigkeit leisten können.

Was soll falsch daran sein, beim Stichwort Vermögensteuer den Blick auf wirkliche Vermögen zu richten, auf angehäuften Reichtum also, der ohne Arbeitseinsatz weiterwächst und weit über das hinausreicht, was zur Finanzierung eines komfortablen, bequemen Lebens nötig ist? Den zu besteuern brächte nicht genug ein, wird argumentiert. Genug wofür? Keine bestimmte Steuer ist geeignet, mit einem Schlag alle Finanzprobleme zu lösen, aber rechtfertigt das, von vornherein darauf zu verzichten?

Wenn jedoch tatsächlich eine neue Belastungswelle für alle angedacht ist, dann soll das wenigstens nicht scheinheilig hinter dem Begriff Vermögen versteckt werden. Ein Haus, in dem man wohnt, ein Mittelklasseauto, genug Geld für Heizung, Strom und den einen oder anderen Urlaub, ein paar fesche Klamotten und etwas Unterhaltungselektronik – das ergibt zwar zusammengerechnet einen ganz netten Wert, aber beileibe kein Vermögen, das sich mit einer Privatstiftung oder den Erträgen aus Devisentransaktionen und Aktienspekulationen vergleichen lässt.

Geradezu allergische Ekzeme fördernd ist die Chuzpe, mit der Vermögende von der Neidgesellschaft sprechen, wenn über Umverteilung debattiert wird. Das hört sich an wie ein Reflex aus Feudalzeiten, als Aufmucken gegen ungerechte Verhältnisse Auflehnung gegen eine gottgegebene Ordnung und demzufolge moralisch verwerflich war. Neid – eine der sieben Hauptsünden des Christentums. Allerdings ist es gerade die Wettbewerbsideologie des Neokapitalismus, die mit der Triebfeder Neid operiert, aber das wird ausgespart beim frömmlerischen Entsetzen über die niederen Instinkte der Benachteiligten. Tatsächlich bewegt jedoch nicht kleinliche Missgunst, sondern verständlicher Zorn die Benachteiligten angesichts kapitaler Ungleichbehandlung von Arbeits- und Kapitalerträgen. Und daran ist nichts sündhaft.

elfriede.hammerl@profil.at