Elfriede Hammerl: Ich bin Po-Grapscherin

Elfriede Hammerl: Ich bin Po-Grapscherin

So ein knackiger Burschenhintern hat was Einladendes, dazu stehe ich.

Ich bin Po-Grapscherin. So ein knackiger Burschenhintern hat was Einladendes, dazu stehe ich. Natürlich kneife ich nicht einfach in jedes Gesäß, das mir auf der Straße oder in der U-Bahn befingernswert erscheint, das könnte ja Ärger geben. Aber meine Lehrlinge zum Beispiel tätschle ich. So viel Spaß muss sein. Natürlich fasse ich ihnen nicht richtig brutal an die Kehrseite oder ans Gemächt, oh nein. So ein bisschen Gegrapsche lässt sich doch auch unauffällig, nebenbei unterbringen. Wie zufällig streife ich im Vorbeigehen delikate Körperteile, lasse eine helfende Hand („Nicht von der Leiter fallen, Burli!“) auf Popobacken ruhen, rutsche ich unter die Gürtellinie, wenn ich jungen Mitarbeitern ermunternd auf den Rücken klopfe.

Ich glaube, meinen Untergebenen gefällt das. Falls nicht, dann könnten sie es mir ja sagen. Wenn es sogar ein Hazeeh Strache fertigbringt, sexuelle Attacken abzuwehren (was ihm, wie er in der ORF-Pressestunde erzählte, durchaus schon gelungen ist), dann wird es doch meinen Untergebenen ebenfalls möglich sein, offen mit mir zu kommunizieren. Hat aber bis jetzt keiner protestiert. Bis auf einen, einmal, der ist seitdem nicht mehr bei uns. Die Entscheidung, ob sie es riskieren wollen, in einer strukturschwachen Gegend ihren Ausbildungsplatz aufs Spiel zu setzen, indem sie das zwischenmenschliche Interesse ihrer Chefin böswillig in eine unerwünschte Annäherung uminterpretieren, überlasse ich ganz meinen Mitarbeitern. Wir sind ein Betrieb, in dem Mitbestimmung kein Fremdwort ist.

Mir wer’n kann Richter brauchen!, sage ich immer zu meinen Untergebenen. Ist ja wahr. Diese Regulierungswut! Diese Gesetzesflut! Wozu? Entweder kann man sich’s richten, oder man ist ein Wappler. Lächerlich, anzunehmen, dass die Wappler sich Anwälte leisten können, also nützen ihnen die Gesetze einen Tinnef. So schaut’s aus.

Der Staat soll aufhören, sich in alles einzumischen. Das macht die Menschen nur unglücklich und bringt sie auf blöde Gedanken.


Kann man sich denn nicht mehr einfach in Ruhe begrapschen lassen?

Ich wette, die meisten Leute waren heilfroh und zufrieden, wenn ein Taschlzieher sie um ihre Geldbörse erleichtert hat – so lange, bis jemand auf die Idee gekommen ist, Taschendiebstahl als kriminelles Delikt zu verbieten. Hat sich der Taschendiebstahl dadurch aufgehört? Nein. Aber die Beklauten müssen sich jetzt auch noch als Hascherl und Opfer fühlen. Wer will denn ein solches Image?

Unsinnige Gesetze zwingen bis dato zufriedene Menschen, Vorfälle zur Anzeige zu bringen, die ihnen eigentlich taugen. Das ist die traurige Wahrheit. Da ist einer glücklich, wenn sein Hintern Aufmerksamkeit und Anerkennenung erntet, und sieht sich plötzlich unter Druck, dagegen vorzugehen! Kann man sich denn nicht mehr einfach in Ruhe begrapschen lassen?

Ständig werden bewährte Traditionen einer neuen Prüderie geopfert. Nehmen wir zum Beispiel das Abfüllen eines zickigen Mädels zu dem Zweck, sie anschließend zum Geschlechtsverkehr heranzuziehen. Ja, klar brabbelt die Alte was von „Lass mich!“ und „Nein, ich will nicht!“, aber muss man ihr eine über die Rübe geben, damit sie stillhält? Nein, muss man eh nicht, der Alk tut’s auch. So geht das, immer schon, aber jetzt soll es plötzlich unter „Vergewaltigung“ fallen! Wenn das nicht hirnrissig ist!


Und jetzt im Ernst: Schon mal auf einer Osteoporose-Station gewesen?

Das haben neidische Weiber ausgebrütet, weil unsereiner diese Eroberungsmethode aus biologischen Gründen verwehrt ist. Manchmal sind mir meine Geschlechtsgenossinnen richtig peinlich. Manchmal? Nein, immer. Ich bin schließlich nicht wie die. Ich bin jung, tüchtig, erfolgreich und unbesiegbar. Sollte ich einmal besiegt sein, kann ich ja immer noch nach Frauensolidarität schreien. Aber ehrlich, ich glaube nicht, dass ich jemals sowas Ekliges wie über 40 und arbeitsuchend sein könnte.

Und jetzt im Ernst: Schon mal auf einer Osteoporose-Station gewesen? Wo sie zombieartig durch die Gegend schlurchen, den Ständer mit dem Infusionsbeutel kraftlos neben sich herschiebend, die Mädchen mit den streichholzdünnen Ärmchen, den nur aus Haut und Knochen bestehenden Beinen und den totenkopfartigen Schädeln über ausgemergelten Körpern?

Oder schon jemals mit einer Familie gebangt, ob deren halbwüchsige Tochter den Hungerwahn überleben wird, in den sie hineingeschlittert ist, angetrieben von knochendürren Vorbildern, die sich angeblich nur von Wasser und Wattebällchen ernähren?

Ich bin Generation Twiggy. Auch wir haben mit Kalorien geknausert, um unserem Schönheitsideal nahezukommen. Aber die Anorexie als lebensbedrohliche Erkrankung und als Massenphänomen gibt’s erst in den vergangenen Jahrzehnten, und selbstverständlich hat das was damit zu tun, dass den Heranwachsenden inzwischen der Unberuf Model als ultimatives Lebensziel verkauft wird, für den man das Opfer exzessiven Fastens bringen müsse.

Ich weiß nicht, wie viel ein gesetzliches Verbot von Magermodels beitragen kann, um diesen Wahnsinn abzubauen, aber wenn ich sie mir anschaue, die klapprigen Elendsgestalten im Spital, und wenn ich mir gar vorstelle, eine davon wäre meine Tochter oder meine Enkelin, dann wäre mir jeder Versuch mehr als willkommen.