<small><i>Elfriede Hammerl</i></small>
Männerlandschaft

Wohin frau auch schaut in letzter Zeit: Gruppenbilder (fast) ohne Damen.

Wohin frau schaut in letzter Zeit: überall Männer, die die Welt retten wollen. Eine Riege von österreichischen Altpolitikern tritt für ein Demokratievolksbegehren ein. Hannes Androsch fungiert als Galionsfigur des Bildungsvolksbegehrens. Auf europäischer Ebene appellieren Elder Statesmen mit dem ganzen Gewicht ihrer öffentlichen Bedeutung an die EU, ihre Nahostpolitik zugunsten der Palästinenser zu überdenken. In Berlin gewinnt die ­Piratenpartei 8,9 Prozent der Stimmen bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus – die Fraktion besteht aus 14 Männern und einer Frau.

Wohin sind die Frauen verschwunden? Dürfen sie nicht mitspielen? Wollen sie nicht? Können sie nicht? Und warum stört es anscheinend niemanden, dass uns allerorten plötzlich wieder nur wichtige Männer begegnen, als wären die Frauen ausgestorben oder in Separees verbannt worden? Na gut, bei der Berichterstattung über die Piratenpartei wurde deren offensichtlicher Frauenmangel ein wenig thematisiert, aber ihr Wahlerfolg war trotzdem sensationell.

Was ist los mit den angeblich selbstbewussten, durchsetzungsfreudigen jungen Frauen? Kein Bock, es mit dem Machismo der Piraten-Nerds aufzunehmen?

Es ist ja nicht so, dass es in all diesen Formationen wirklich keine weiblichen Menschen gibt. Auch den Piraten arbeiten Piratinnen zu, die sich aber nicht Piratinnen nennen dürfen, weil die Piraten nämlich beschlossen haben, dass es aufs Geschlecht nicht ankommen soll. Bloß komisch, dass immer dann, wenn es angeblich aufs Geschlecht nicht ankommt, am Ende die Männer dominieren.

Auch beim Bildungsvolksbegehren wirken viele emsige Frauen mit. Ich weiß das, weil sich inzwischen sogar so was wie eine Frauenfraktion gebildet hat, die vor allem die Mütter ansprechen will (Mütter – die Zuständigen dafür, dass die Kinder was lernen, eh klar) und die mich immer wieder auffordert, sie diesbezüglich zu unterstützen.

Kleiner Sidestep: Ja, ich trete dafür ein, das Bildungsvolksbegehren zu unterschreiben, auch wenn mir seine Forderungen zu schwammig sind (und ich dagegen bin, dass vor allem die Mütter verantwortlich gemacht werden für das Wohlergehen der Kinder) – einfach deswegen, weil es notwendig ist, die Dringlichkeit einer Bildungsreform zu signalisieren.
Aber zurück zur Frauenbeteiligung: Obwohl also wie gesagt das Bildungsvolksbegehren keineswegs nur in Männerhand liegt, ist es in der medialen Wahrnehmung das Volksbegehren des Herrn Dr. Androsch. Und da wären wir schon bei einer der möglichen Ursachen für das immer noch oder schon wieder männliche Bild der Politik: Die Medien fokussieren ihre Aufmerksamkeit meistens oder häufig auf die männlichen Mitstreiter für unterschiedliche Projekte.

Das kann frau ihnen übel nehmen, manchmal aber auch nicht, denn die Männerklubs funktionieren nach wie vor und finden sich im Zweifelsfall eben als solche zusammen. Beispiel: Demokratievolksbegehren. Wer fällt verdienten Altpolitikern, männlich, ein, wenn sie darangehen, sich zur Österreich-Rettung zu formieren? Ihresgleichen, also andere Altpolitiker, männlich. Und Heide Schmidt, die war nämlich auch angefragt, aber, wie ich vermute, nicht einmal so sehr als Alibifrau, sondern mehr als singuläre Erscheinung in der ehemaligen Parteienlandschaft, als Mann h. c. gewissermaßen nach den Bewertungskriterien der selbst ernannten Demokratieretter, deren Demokratieverständnis nur den klitzekleinen Fehler hat, dass es Frauen nicht wichtig nimmt.

Oh ja, die Homepage der Demokratievolksbegehrer weist noch die eine oder andere Proponentin, weiblich, aus, aber kennt oder benennt die jemand? Na eben. Woran wir uns erinnern, wenn wir uns an die Pressekonferenz der Initiatoren, männlich, erinnern, das ist ein langer Tisch, hinter dem eine lange Reihe von Initiatoren, männlich, thronte.

Männer wertschätzen – mit wenigen Ausnahmen – Männer, danach schaut’s aus. Andernfalls hätten sich die Initiatoren, männlich, ja mit mehr Initiatorinnen, weiblich, zusammentun können, denn auch in der Generation der Altpolitiker Busek, Neisser, Fischler, Voggenhuber gibt es bewährte Politikerinnen, die als Aushängeschild ebenfalls getaugt hätten. Dass die Medien am Hundert-Prozent-Männer-Auftritt nichts auszusetzen hatten, erklärt sich wiederum, siehe oben, aus deren eigener Wahrnehmungstradition. So gesehen war es vielleicht nur realistisch, auf weibliche Aushängeschilder zu verzichten. Bringen eh nicht so viel.

Derart beißt sich die Katze in den Schwanz. Wer nicht wichtig genommen wird, ist unwichtig, wer unwichtig ist, wird nicht wichtig genommen. Erstaunlich vor allem, wie leicht es möglich ist, dass schon wieder einmal die Männerklubs und die Buberlpartien das Sagen haben, nach so vielen Jahren heißer Bemühungen um Gendergerechtigkeit.

„Mein Österreich“ nennt sich die Plattform der Demokratiebegehrer. Aber, so ehrenwert ihre Ziele auch sein mögen: Mein Österreich ist das nicht, in dem Patriarchen, wie wohlwollend auch immer, den Ton angeben. In meinem Österreich leben 52 Prozent Frauen, die gehört, gesehen und ernst genommen werden sollen.

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