Elfriede Hammerl: Nicht meine Ministerin

Elfriede Hammerl: Nicht meine Ministerin

Und übrigens: Die 50-prozentige Frauenquote ist eine uralte Erfindung der Natur.

Keine Ministerin der neuen Regierung will das Frauenvolksbegehren unterschreiben, auch nicht die Frauenministerin. Überrascht mich das? Nein. Keine Ministerin der neuen Regierung steht ja im Verdacht, Feministin zu sein. Wäre eine von ihnen Feministin, wäre sie nicht Mitglied einer rechtskonservativen Regierung, die zum Beispiel als Familie nur die „Gemeinschaft von Frau und Mann mit gemeinsamen Kindern“ gelten lässt. So steht es zumindest im Programm der ÖVP, die in dieser Familie die „natürliche Keimzelle und Klammer für eine funktionierende Gesellschaft“ sieht. Die Blauen propagieren es so ähnlich, gerne mit dem Zusatz, dass die Vermehrung nicht zugewanderten Frauen und Männern überlassen werden darf, was die ÖVP explizit nicht sagt, aber durch eine demonstrative Nähe zu einheimischer Trachtenmode und Dorf-in-der-Stadt-Volkstümelei symbolhaft ebenfalls ausdrückt. Wer so denkt, kann mit einem Volksbegehren, das staatliche Hilfe für Alleinerzieherinnen fordert, schon einmal deswegen nichts anfangen.

Die Ministerinnen der gegenwärtigen Regierung sind emanzipiert, aber keine Emanzen. So formulieren es Frauen dieses Kalibers gern, wenn sie nach ihrer Haltung zum Feminismus gefragt werden. Das heißt, sie nehmen für sich persönlich durchaus in Anspuch, was Emanzen für Frauen erstritten haben, sehen aber keinen Grund, sich ihrerseits für andere Frauen einzusetzen. Eher im Gegenteil. Die eigene Ausnahmeposition gibt doch viel mehr an Genuss her, wenn sie eine Ausnahmeposition bleibt. Rechtskonservative glauben an die Notwendigkeit von – ererbten – Hierarchien. Sie lehnen Gleichmacherei ab und wehren Forderungen nach Geschlechtergerechtigkeit und sozialer Gerechtigkeit als Gefahr für die Ordnung ab, von der sie profitieren. Punkt.


Ministerinnen müssen sich mit der Forderung nach Geschlechtergerechtigkeit nicht identifizieren. Aber wir müssen uns mit solchen Volksvertreterinnen nicht identifizieren.

Das Frauenvolksbegehren stellt ihre Ordnung infrage. Es bestreitet die Rechtmäßigkeit der ungleichen Verteilung von Macht, Chancen und Ressourcen zwischen Männern und Frauen. Das macht Angst oder zumindest Unbehagen. Nicht nur Männern, sondern auch Frauen, denen es gelungen ist, sich einen quasi männlichen Anteil an Macht und Ressourcen zu sichern, freilich unter der Prämisse, den Klub der Privilegierten nicht für den allgemeinen Eintritt freigeben zu wollen.
Also: Was erwarten wir uns von solchen Frauen an Unterstützung für feministische Anliegen? Realistischerweise: nichts. Wie gesagt: Wir leben – zum Glück – in einer Gesellschaft, in der Meinungsfreiheit ein hohes Gut ist. Frauen haben das Recht, sich nicht mit den Interessen anderer Frauen zu solidarisieren. Sie können sich selbstverständlich auf Standpunkte wie diese stellen: Wenn Frauen blöd genug sind, Altenpflegerinnen zu werden, dann haben sie sich eben dafür entschieden, schlecht bezahlt zu werden. Wenn Frauen Kinder mit Männern kriegen, die nachher der natürlichen Keimzelle Familie den Rücken kehren und sich aus jeglicher Verantwortung für die Kinder davonstehlen, dann sind sie selber schuld. Hätten sie sich halt mit einem anderen Kerl gepaart. Wenn Frauen überhaupt so blöd sind, Kinder zu haben, statt jederzeit für Meetings, Dienstreisen und Überstunden zur Verfügung zu stehen, ist ihnen nicht zu helfen. Wenn Frauen sich für Menschen interessieren statt für Verkaufszahlen, Gewinnspannen oder digitale Fertigungsprozesse, die Menschen überflüssig machen, dann sind sie den Erfordernissen des 21. Jahrhunderts nicht gewachsen. Und so weiter.

Diese Denkweise ist erlaubt. Es ist freilich auch erlaubt, sie zutiefst unsympathisch zu finden. Ministerinnen müssen sich mit der Forderung nach Geschlechtergerechtigkeit nicht identifizieren. Aber wir müssen uns mit solchen Volksvertreterinnen nicht identifizieren. That’s it.

Natürlich wird scheinbar sachlich argumentiert. Es ist ja wegen der 50-prozentigen Frauenquote. Geht doch nicht. Und wegen der 30-Stunden-Woche bei Lohnausgleich. Geht gleich gar nicht.

Geht aber eigentlich schon. Die 50-prozentige Frauenquote ist eine uralte Erfindung der Natur. Und bezahlte Arbeit durch Arbeitszeitverkürzung neu zu verteilen, wäre eine Antwort auf den Verlust von Arbeitsplätzen durch die viel gepriesene Digitalisierung. Allerdings müssten dann gerechterweise auch die Gewinne aus Arbeit und Digitalisierung neu verteilt werden.

Geht freilich nicht, wenn man eine möglichst ungleiche Gesellschaft will.

Na gut, dass die Fronten klar sind.

elfriede.hammerl@profil.at
www.elfriedehammerl.com