<small><i>Elfriede Hammerl</i></small>
Rektorinnen: keine

Wieder hat eine Universität dem Gesetz getrotzt und die Bestqualifizierte nicht ernannt.

Und schon wieder ist eine Rektorin an einer österreichischen Universität erfolgreich nicht installiert worden. Margarethe Hochleitner, renommierte Kardiologin, Universitätsprofessorin und Vizerektorin der Medizinischen Universität Innsbruck, die als klare Favoritin ins Rennen um den Rektorsposten an eben dieser Universität ging, wurde vom dortigen Universitätsrat jetzt doch nicht bestellt. Statt ihrer wurde der Gastroenterologe Herbert Lochs ernannt.

Nicht weiter bemerkenswert? Egal ob Mann oder Frau, allein die Qualifikation soll zählen? Na ja. Das Erstaunliche ist, dass im Fall Hochleitner die Qualifikation offenbar nicht zählt. Denn Favoritin wurde sie ja nicht per Zufall, sondern mit gutem Grund und durch ein sorgfältiges Auswahlverfahren. 31 Personen hatten sich um die Leitung der Innsbrucker Medizin-Uni beworben. Nach einer ausführlichen Prüfung der eingereichten Unterlagen lud der Universitätssenat – bekanntlich das höchste repräsentative Gremium jeder Universität – zehn Bewerber und Bewerberinnen zu Hearings ein, bei denen die potenziellen RektorInnen ihre Konzepte und Vorstellungen zu präsentieren hatten. Diese Hearings fanden im großen Hörsaal der Uni statt und waren öffentlich zugänglich, auch die meisten Mitglieder des Universitätsrats (quasi der Aufsichtsrat der Universität, der den Rektor oder die Rektorin schließlich bestimmt) waren dabei anwesend.

Übereinstimmende Meinung aller Anwesenden nach den Hearings, so berichten es Augen- und OhrenzeugInnen: Hochleitner sei die Beste. Ihr Konzept überzeuge, und schließlich sei sie nicht nur als medizinische Autorität anerkannt, sondern verfüge, als erfahrene Vizerektorin für Personal, Personalentwicklung und Gleichstellung, auch über die für einen Rektorsposten notwendigen Management­qualitäten. Der Senat nominierte Hochleitner dann auch mit 21 von 23 Stimmen in den nachfolgenden Dreiervorschlag, Lochs, der ebenfalls in den Dreiervorschlag kam, erhielt lediglich 14 Stimmen. Dennoch entschied sich der Universitätsrat am Ende dafür, Herbert Lochs, der noch nie eine Managementfunktion innehatte, zum Rektor zu ernennen. Warum nur?

Insider sehen einen entscheidenden Grund in der engen Zusammenarbeit, die der neue Rektor mit der Tilak, der ­Tiroler Landseskrankenanstalten GmbH, eingehen will. Wie er der „Tiroler Tageszeitung“ gegenüber erklärte, strebt er mit der Tilak ein gemeinsames Budget, eine gemeinsame Personalbewirtschaftung und gemeinsame Berufungskommissionen an. Das, so befürchten KritikerInnen, würde allerdings dazu führen, dass die Medizin-Uni letztlich für die Defizite des Innsbrucker Landeskrankenhauses zahlt und dass sich die Erfordernisse von Lehre und Forschung finanziell wie personell den Bedürfnissen der Krankenanstalten GmbH unterzuordnen hätten.

Dass der Universitätsrat den Tilak-affinen Mediziner Lochs, der derzeit an der Berliner Charité wirkt, mit nur ­einer Gegenstimme zum Rektor bestellte, könnte wiederum mit den Geschäftsverbindungen zusammenhängen, die ­einigen seiner Mitglieder nachgesagt werden und die alle in Richtung Tilak oder Tilak-naher Firmen weisen.
Soll heißen: Die Rektorswahl orientierte sich offenbar nicht nur an den Bedürfnissen der Universität, sondern auch an denen der Landeskrankenanstalten GmbH.

Wer jetzt einwendet, dass Hochleitner damit an Interessenverflechtungen gescheitert ist, die nichts mit ­ihrem Geschlecht zu tun haben, hat vordergründig Recht. Allerdings übersieht dieser Einwand, dass die Netzwerke, deren Interessen letztlich entschieden haben, die traditionellen patriarchal dominierten Boys Clubs sind, mit Er­füllungsgehilfinnen zwar, aber eben nur solchen, die nicht gegen die jeweiligen Fadenzieher agieren.
Auf jeden Fall widerspricht es klar der Gesetzeslage, dass eine bestqualifizierte Frau nicht zum Zug kommt, weil ein männlicher Bewerber dem Berufungsgremium aus objek­tiv nicht einsichtigen Gründen besser zu Gesicht steht. „Die Universität hat ihren Beitrag zur Entwicklung der Gesellschaft zu formulieren. Dazu zählen unter anderem Maßnahmen zur Erhöhung des Frauenanteils in leitenden Funktionen der Universität“, so steht es im Universitätsgesetz.

Und im Bundesgleichbehandlungsgesetz, das auch für die Universitäten gilt, heißt es: „Bewerberinnen, die für die ­angestrebte Planstelle nicht geringer geeignet sind als der bestgeeignete Mitbewerber, sind (…) so lange bevorzugt aufzunehmen, bis der Anteil der Frauen an der Gesamtzahl der dauernd Beschäftigten in der (…) betreffenden Verwendungs- oder Entlohnungsgruppe (…) mindestens 40 Prozent beträgt.“

Die Rektoren von Österreichs Universitäten weisen, wie man weiß, einen Frauenanteil von beschämenden null Prozent auf. Dabei bleibt es und bleibt es und bleibt es. Und wenn ausnahmsweise einmal davon abgegangen wird, dann nur kurzfristig, wie sich am Beispiel Ingela Bruners zeigte, die aus ihrer Funktion als Rektorin der Bodenkultur-Uni in Wien rasch wieder weggemobbt war. Nun ist, nein, wurde Hochleitner gescheitert. Vielleicht könnte ja Wissenschaftsminister Johannes Hahn die Universitäten einmal an ihren Gleichstellungsauftrag erinnern?

elfriede.hammerl@profil.at